[Diskussion | Kommentar] Brauchen Babys ein Geschlecht? - Fragen und Gedanken zur "geschlechtsneutralen" Erziehung

Charlie | Mittwoch, 25. April 2018 |
Mediale Aufmerksamkeit - Positiv wie negativ

Erst kürzlich machten Kyl und Brent Myers durch einen Artikel im New York Magazine (Hier ein Artikel in der Berliner Zeitung in deutscher Sprache) von sich reden, der von ihnen und ihrem Kind Zoomer berichtete, welches sie geschlechtsneutral zu erziehen versuchen. Gender Creative Parenting nennt sich diese Bewegung und die Idee dahinter ist im Grunde, Kinder nicht schon ab der Geburt mit Geschlechternormen, geschlechtspezifischem Spielzeug, Kleidung etc. zu konfrontieren sondern sie „neutral“ zu erziehen. Zoomer soll sich selbst aussuchen können, was sie anziehen* und womit sie spielen möchten, und sich später auch ihr Gender selbst wählen dürfen.
Im letzten Jahr gab es einen ähnlichen Bericht aus Kanada, wo ein Elternteil darum kämpfte, dass sein Baby auf offiziellen Dokumenten kein Geschlecht zugewiesen bekommt.

​Beide Fälle, besonders Zoomers, fanden in den (sozialen) Medien sehr viel Aufmerksamkeit und damit naturgemäß sowohl Lob als auch viel Kritik. Mir geht es gar nicht unbedingt darum, diesen Erziehungsstil selbst zu bewerten, da dieser wissenschaftlich noch nicht sehr weit erforscht ist (Langzeitstudien gibt es z.B. meines Wissens nach nicht.), doch ich finde, dass man aus den medialen Reaktionen einiges über die Bedeutung von Gender in unserer Gesellschaft herauslesen kann.

​Während viele Trans-Aktivist*innen das Engagememt von Menschen wie den Myers begrüßen, gab es in den sozialen Netzwerken auch regelrechte Shitstorms in Reaktion auf die Nachricht und auf solche Erziehungsstile allgemein. Das sei gegen die Natur*, hieß es beispielsweise häufig, oder es mache das Kind kaputt, Eltern sollten ihre kranken Vorstellungen doch nicht auch noch ihren Kindern aufzwingen, ihre Kinder nicht als Experiment missbrauchen, etc.


Warum die Aufregung?

Das ist insofern spannend, dass es zeigt, dass viele Menschen es offenbar für unabdingbar halten, dass einem Kind gleich mit der Geburt ein Geschlecht (basierend auf dem biologischen Geschlecht bzw. dessen sichtbaren Merkmalen, den primären Geschlechtsorganen) zugewiesen wird. Und ich frage mich ehrlich gesagt, warum dem so ist. Welche Bedeutung hat es für uns, ob ein neugeborenes Kind zwei X- oder ein X- und ein Y-Chromosom hat oder welche inneren und äußeren Geschlechtsorgane es hat? Warum sollte es für das Kind selbst von so großer Bedeutung sein, in einem Alter, in dem sich noch keine durch Geschlechtshormome verursachten körperlichen Unterschiede herausbilden und Fortpflanzung noch keine Rolle spielt?
Im Grunde kann das doch nur dann wichtig sein, wenn man davon ausgeht, dass Kinder, sobald sie geboren werden, abhängig von ihrem Geschlecht unterschiedlich behandelt werden sollten und man von ihnen erwartet, dass sie sich auch als unterschiedlich wahrnehmen und verhalten.


Und warum tun wir das eigentlich?
Durch soziale Normen, die mit Geschlechtern unweigerlich verbunden sind, wird vorgeschrieben, wie sich ein Mädchen oder ein Junge zu entwickeln hat und was jemanden zu einer "richtigen Frau" bzw. einem "richtigen Mann" macht.
Warum wollen wir Kinder so von klein in der Entwicklung ihres Charakters beeinflussen und in bestimmte Rollen drängen - ein Phänomen, das man z.B. in der Spielzeugindustrie wunderbar beobachten kann?
Dass sich Eltern dagegen wehren wollen, kann ich ehrlich gesagt nachvollziehen.


Ohne Gender geht es nicht?


Die Tatsache, dass einige Menschen (auch Psycholo*innenen!) Kindern wie offenbar Verwirrung, Identitätslosigkeit und psychische Störungen prophezeien, zeigt, welche Bedeutung der Identifikation mit einem Geschlecht beigemessen wird. Und das verwundert mich ehrlich gesagt ein bisschen.
Leben wir nicht in einer Gesellschaft, die schon über das Stadium hinaus ist, in dem man meinte, anhand des biologischen Geschlechts auf dem Papier zu wissen, welchen Charakter ein Mensch hat, was seine Hobbys sind, welche Art von Beruf er einmal ergreifen wird und was seine Lebensziele sind?
Haben wir uns nicht alle schon so weit von mit dem Geschlecht verbundenen Normen gelöst, dass wir uns als Frau oder Mann (oder auch keins von beidem) sehen können, ohne gleich in Verwirrung und Verzweiflung auszubrechen, wenn andere Frauen/Männer/... ganz anders sind als wir?
Erziehen wir Kinder heute nicht so, dass sie sich als Individuum und einzigartig begreifen und nicht nur über eine einzige Eigenschaft (wie das Geschlecht) definieren?
Sollte das biologische Geschlecht (sex) so nicht immer weiter in den Hintergrund des "sozialen Geschlechts" (gender) gerückt werden und das Gender wiederum, das sich erst mit der Zeit entwickelt, deutlich flexibler sein?
Offenbar nicht, wenn man sich die Horrorgeschichten so ansieht, die über geschlechtsneutral erzogene Kinder und ihre Eltern erzählt werden. Wenn man sich die so anguckt, könnte man glatt meinen, das Geschlecht und damit verbundene Klischees und Normen, die gefälligst von Geburt an festzustehen haben, seien der einzige Ankerpunkt im Leben eines Menschen und ohne sie würde das Kartenhaus der Identität zusammenstürzen. Diese Vorstellung finde ich ehrlich gesagt ziemlich traurig, da sie Menschen in gewisser Weise auch ihre Individualität abspricht, sie im ihrer Entwicklung einschränkt und sie auf einen Aspekt reduziert.

Am faszinierendsten finde ich das Argument, geschlechtspezifisches Verhalten sei biologisch bedingt und die Erziehungsmethoden seien deshalb schlecht für das Kind. Wenn dem so wäre, dass die Wahl des Spielzeugs oder der Kleidung biologisch bedingt ist, dann gäbe es doch gar keinen Grund, sich über Gender Creative Parenting aufzuregen, denn dann würden sich Kinder wie Zoomer ja automatisch nur „weiblich“ bzw. „männlich“ verhalten. Dass sie das nicht tun und dass es im Übrigen auch genug „traditionell“ erzogene Männer und Frauen und andere Menschen gibt, die sich nicht allen Geschlechternormen entsprechend verhalten, sollte den Verfechter*innenn der Biologie-allein-bedingt-das-Verhalten-Theorie zu denken geben.
Die Bedeutung der Geschlechtsidentität

Damit will ich natürlich nicht sagen, dass Geschlechtsidentitäten grundsätzlich unwichtig sind und man sie "abschaffen" sollte. Gerade für die sexuelle Identität eines Menschen wird es später meist wichtig, welchem Geschlecht er sich zugehörig fühlt (wenn überhaupt). Und natürlich ist das Geschlecht allgemein, genau wie beispielsweise die Nationalität, Teil unserer Identität in mehr oder weniger großem Maße und kann einem Menschen ein Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln.
Auch gibt es unbestreitbar biologischen Unterschiede zwischen Menschen, die nicht verschwinden, wenn man sie "totschweigt", und die sogar das Verhalten eines Menschen beeinflussen können (Hormone). Darüber muss selbstverständlich weiterhin aufgeklärt werden, allerdings meiner Meinung nach möglichst im Zusammenhang mit der Unterscheidung "sex" und "gender".
Mir wäre in diesem Zusammenhang insgesamt wichtig zu bedenken, dass eine Geschlechsidentiät, so wichtig sie auch sein mag, nichts ist, was man einem Kind mit der Geburt mit einem einzigen Begriff aufdrücken kann. Und darauf beziehen sich meinem Verständnis nach Eltern wie Zoomers.
"Geschlechtsneutral" - Geht das überhaupt?

Generell denke ich, dass die Vorstellung einer völlig geschlechtsneutralen Erziehung in einer binären** Gesellschaft wie unserer utopisch ist. Gerade weil die beiden Geschlechter und ihnen zugeschriebene Eigenschaften bei uns so präsent sind, könnten diejenigen Psycholog*innen, die diesen Erziehungsstil kritisieren, recht damit haben, dass es ein Kind verwirren und ihm auch in der Entwicklung schaden könnte, wenn es irgendwann mit Jungen und Mädchen konfrontiert wird und aufgrund seiner Erziehung zu keiner der Gruppen dazugehört. 
Doch ist das, wenn man genauer darüber nachdenkt, wirklich ein Problem des Gender Creative Parenting oder doch eher des Umfeldes? Bei diesem Erziehungsstil geht es ja eigentlich nur darum, den Kindern mehr Freiheiten in der Wahl von Verhaltensweisen (z.B. Kleidung, Spielzeug, Hobbys) zu lassen, die gesellschaftlich sonst einem Geschlecht zugeordnet werden. Wenn freie Entfaltung das Kind einschränkt, sehe ich persönlich das Problem eher in der Gesellschaft als im Individuum oder den Eltern. Wird ein Kind gemobbt, weil es sowohl gerne rosa und lange Haare trägt als auch Fußball spielt, sehe ich die Schuld nicht beim Kind und auch nicht bei den Eltern, die ihm erlaubt haben, sich die Kleidung, Frisur und Hobbys auszusuchen, sondern bei der engstirnigen Gesellschaft, die findet, rosa sei für Frauen und Fußball für Männer und man könne nicht beides gleichzeitig mögen.
Ob geschlechtsneutrale Erziehung aus psychologischer Sicht grundsätzlich abzulehnen und geschlechtsspezifische zu befürworten ist und eine komplett geschlechtsneutrale Gesellschaft der kindlichen Entwicklung ebenfalls schaden würde, das ist deshalb meiner Meinung nach eine andere Frage, die ich aufgrund mangelnden psychologischen Wissens und auch der noch eher dünnen Forschungslage nicht beantworten kann.
Und die Moral von der Geschicht'?

Wie man an meinen Fragen oben erkennen kann, würde ich die Probleme jedoch eher in der Bedeutung des Geschlechts für die Gesellschaft suchen als im Erziehungsstil dieser Eltern, die ihren Kindern sicherlich nichts Böses, sondern ihnen eher mehr Freiheiten geben wollen.
Den Grundgedanken, dem biologischen Geschlecht und Geschlechtsnormen weniger Bedeutung beizumessen, damit Kinder sich freier entwickeln können, finde ich nämlich gut. Ob ich dabei so weit gehen würde wie die Myers-Familie, ist eine andere Frage.
Für mich stellt sich insgesamt Frage, ob wir Kinder wirklich unbedingt von klein auf zur Frau oder zum Mann erziehen müssen, oder ob wir sie nicht einfach in erster Linie Mensch sein und sich als Individuum entwickeln lassen können. 
Was meint ihr dazu?

*"Gegen die Natur" ist das schon allein deswegen nicht, weil ein Kind geschlechtsneutral erziehen nicht bedeutet, ihm das biologische Geschlecht und den damit verbundenen Körperbau abzusprechen oder natürliche Verhaltensweisen zu unterdrücken. Man entscheidet sich lediglich für den Versuch, keine (angeblich) geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen durch soziale Faktoren hervorzurufen oder zu verstecken.
** Soll heißen, in unserer Gesellschaft werden meist nur zwei Geschlechter anerkannt und Menschen als das eine oder das andere erzogen.

Kommentare:

  1. Toll, dass du über dieses schwierige und vor allem kontrovers diskutierte Thema schreibst! Ich habe die Berichterstattung über das geschlechtsneutral erzogene Kind auch mitbekommen und war mir, um ehrlich zu sein, nicht ganz sicher, was ich davon halten soll.

    Versteh mich nicht falsch: Ich sehe es absolut wie du, dass Kinder, Erwachsene, Menschen im Allgemeinen von der Gesellschaft in Rollen gedrängt werden und dass erwartet wird, dass sie diese ausfüllen. Da muss man sich nur die Werbung ansehen, genau, oder die Kommentare letztes Jahr, als beschlossen wurde, ein drittes Geschlecht zuzulassen für diejenigen, deren Geschlecht nicht eindeutig zuzuordnen ist. Niemandem wird damit wehgetan, aber alle haben sie sich aufgeregt. Ich stimme dir also zu, dass es die Schuld der Gesellschaft ist, dass es zu Mobbing, etc. kommt, ganz einfach, weil nicht genug Akzeptanz und Toleranz gelehrt werden. Und weil alle meinen, sie selbst seien normal und alle Abweichler nicht.

    Ich bin aber auch nicht sicher, ob man deswegen gleich ein Kind geschlechtsneutral erziehen muss, auch indem man das biologische Geschlecht verschweigt. Reicht es nicht, alle Wesensmerkmale des Kindes anzunehmen, auch vor anderen (im Extremfall) zu verteidigen und ein Kind mit einem bestimmten Geschlecht mit allen "normalen" und "unnormalen" Merkmalen einfach leben zu lassen? Vor allem, weil grade in dieser Gesellschaft ein Name wie "Zoomer" schnell wieder zur Mobbing führen kann. (Womit wir wieder bei Punkt 1 wären, ja, aber ich weiß nicht, ob man es unbedingt "herausfordern" muss). Meine Mutter hat mich auch weltoffen erzogen, dafür musste es nicht geschlechtsneutral sein.

    Ich denke aber, dass das im Allgemeinen eine schwere Frage ist, und wer weiß, vielleicht funktioniert diese Erziehungsmethode auch grade gut. Schön wäre so oder so, wenn die Menschen einfach mal lernen würden, Dinge zu akzeptieren und sich vor allem nicht immer in Sachen einzumischen, die sie überhaupt nichts angehen.

    Danke dir auf jeden Fall für diesen sehr nachdenklich stimmenden Post!

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    1. Hi Sonne,
      es freut mich, dass das Thema so gut ankommt. Ich hatte den Post eigentlich mehr aus einer Laune heraus geschrieben, weil mich das Thema beschäftigt hat.
      Und ich verstehe total, was du meinst. Deswegen wollte ich auch mehr einen Post über die Bedeutung von Gender schreiben als über diesen Erziehungsstil allgemein, weil es da für mich sehr drauf ankommt, wie man ihn umsetzt.

      Ich bin ja eine Verfechterin davon, Gendern generell nicht so viel Bedeutung beizumessen und nicht so viel damit zu assoziieren, sodass einfach jeder Mensch in Frieden leben und sich verhalten kann, wie er möchte. Deswegen finde ich auch, dass es so funktionieren sollte, dass man Kinder nicht in Rollen zwängt, auch wenn ihr biologisches Geschlecht bekannt ist. Bei mir hat das, möchte ich behaupten, zu großen Teilen auch geklappt, obwohl ich immer als weiblich bekannt war. Ich denke, dass Zoomers Eltern das Geschlecht ihres Kindes nur deshalb nicht bekanntgeben, weil sie denken, dass es aktuell in ihrem Umfeld noch nicht funktionieren wird, dass Zoomer „neutral“ erzogen wird, wenn das Geschlecht bekannt ist. Aber wie du schon sagst, kann ein „neutraler“ Name und so ein großes Geheimnis auch für negatives Aufsehen sorgen. Dass müssen dann wohl die Eltern abwägen. Ich würde, wie bereits erwähnt, vermutlich auch nicht so weit gehen und hoffen, dass mein Kind auch, wenn ich es als Sohn oder Tochter aufziehe, weiß, dass es alle Freiheiten hat und später auch sagen kann, dass es sich nicht als das eine oder das andere fühlt.

      Deinem Fazit schließe ich mich absolut an. Vieles wäre einfacher, wenn die Menschen toleranter wären und sich nicht immer in die Leben anderer einmischen würden.

      Danke für das Kompliment!

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  2. Sehr interessantes Thema, liebe Charlie! Und ein sehr durchdachtes und gutes Fazit, wie ich finde. Das unterschreibe ich.
    Vor etwa 22 Monaten bin ich selber Mutter geworden und durch meine Arbeit als Erzieherin habe ich schon so einiges mitbekommen, daher war mir von Anfang an klar, dass mein Kind definitiv nicht geschlechtsspezifisch, in feste Rollen und Muster gepresst, aufwachsen wird.

    Die erste Kleidung, die wir für Puschel kauften, war sehr geschlechtsneutral und wir wurden ständig gefragt, ob wir einen Jugnen erwarten würden. Weiß, beige, grau, etc. schienen scheinbar für ein Mädchen nicht zu funktionieren.
    Im Laufe so eines Kleinkinfslebens braucht man viel Kleideung, seeeeeehr viel Kleidung. Und soll ich dir mal was sagen? Es wurde immer schwieriger und schwieriger Kleidung zu finden, die nicht sofort "girly" oder "boy" geschriehen hat.
    Ich wollte kein pink, kein Glitzer, kein Schischi. Ich wollte praktische Kleidung.
    Wenn du heute in den Kleiderschrank meiner Tochter gucken würdest, würdest du alles finden - inkl. Klamotten, die ich ihr aus der Jungenabteilung gekauft habe.
    Auch beim Spielzeug haben wir versucht nicht "typisch" Mädchen zu werden. Ja, sie hat Puppen, aber weil sie sie wollte. Sie hat Kochgeschirr - weil sie es wollte. Sie hat aber auch Autos, einen Rasenmäher und einen Hammer. So what? Es macht ihr Spaß und das ist die Hauptsache!

    Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich durch Spielzeugläden laufe und dort auf "Make Up Sets" und dergleichen stoße...alles in pink und rosa.

    Ich verstehe einfach nicht, warum man Kinder nicht einfach machen lassen kann. Sie anziehen lassen, was sie wollen (Puschel steht übrigens total auf Kleider und das ohne, dass wir sie in irgendeine Richtung gelenkt haben - doch Biologie? ;) ), sie mit dem spielen lassen, was sie wollen...

    Ich weiß nicht so genau, was ich davon halten soll einem Kind kein Geschlecht zuzuordnen - immerhin sind die Geschlechtsmerkmale nicht zuleugnen. Sollte Puschel irgendwann feststellen, dass sie im falschen Körper geboren wurde, wird sie von uns zu 1000% unterstützt und ich finde, dass das zum Standard gehören sollte.

    Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich ausgedrückt. ich musste gerade meinen Gedanken etwas Luft machen. ;)

    Liebe Grüße
    Miri

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    1. Hi Miri,

      vielen Dank für deinen Kommentar und das Teilen deiner Erfahrungen! Ich finde das total spannend, was du berichtest, da ich mich ja nicht so direkt mit Kinderkleidung und -spielzeug auskenne, mir aber gut vorstellen kann, dass da vieles schon von klein an auf auf bestimmte Stereotype getrimmt ist und man auch von anderen Leuten entsprechende Kommentare bekommt.

      Das, was du beschreibst, ist genau das, was ich mir für die Erziehung meiner Kinder, sollte ich mal welche haben, vorstelle. Natürlich sollte man Mädchen keine Puppen und keine Kleider verbieten, wenn sie sie haben wollen. Aber man sollte ihnen eben auch keine Autos, Werkzeuge oder sonst was verbieten mit dem Argument, das seien „Jungssachen“. Und das ist eigentlich auch schon alles, was ich unter „Gendercreative Parenting“ oder „geschlechtsneutraler“ Erziehung verstehe. Dass man nicht sofort jedes kindliche Verhalten mit einem Geschlecht assoziiert.

      Du klingst auf jeden Fall wie eine wunderbare Mutter und ich bin sicher, eure Tochter hat eine tolle Kindheit und wird sich super entwickeln :),

      Liebe Grüße
      Charlie

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  3. Schon wieder so ein guter Beitrag!
    Ich finde vor allem den Punkt, dass das ja gar kein Problem wäre, wenn die Kinder sich sowieso automatisch männlich/weiblich verhalten würden, echt gut. So hab ich darüber nämlich noch nicht nachgedacht.
    Generell finde ich aber auch, dass Kinder Kleidung und Spielzeug selbst aussuchen sollten und käme nie auf die Idee, ihnen das zu verbieten. Außerdem geht es ja auch nicht darum, alles stereotypisch "passende" zu unterdrücken, sondern einfach um freie Entscheidung.
    Was die Erziehung an sich angeht finde ich, dass jeder die gleichen Werte vermittelt bekommen sollte. Sowas wie "jungs heulen nicht" ist einfach nur unglaublich schädlich und ich finde es so unsinnig, immer noch an solchen Dingen festzuhalten. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass es nur deshalb ein Problem wäre, weil andere es eben nicht so handhaben und dann diese Zugehörigkeit fehlt, stimmt. Da ist dann aber wirklich das Umfeld schuld, genauso wie man auch als ""typisch Mädchen"" von Fremden komisch angeschaut wird, wenn man Fußball spielt etc. Das Problem gibt es aber auch ohne die neutrale Erziehung schon.
    Insgesamt habe ich aber das Gefühl, dass wir da auf einem guten Weg sind, weil ich denke dass unsere Generation da schon sehr viel flexibler ist als die vorherigen, auch wenn es da natürlich immer noch unterschiedliche Gruppen gibt. Kann allerdings natürlich auch sein, dass ich einfach eher Kontakt zu den offeneren Leuten habe :D
    Generell bin ich aber sehr dafür, Kindern möglichst viele Freiheiten bei Dingen zu lassen, die anderen nicht schaden.

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    1. Dankeschön!

      Der Gedanke kam mir irgendwann mal beim Lesen dieser nervigen „Das ist gegen die Natur“-Argumente und irgendwie fand ich den dann gut :D. Ein ähnliches Argument bekommt man ja oft zum Thema Homosexualität zu hören, nur eben andersrum, dass das Verhalten angeblich nicht in der Natur existiert, und da denke ich mir dann immer „Warum kommt es dann vor, selbst in Umgebungen, in denen Homosexualität verschwiegen, unterdrückt und bestraft wird?“ Und bei GCP ist die Gegenfrage dann eben „Na wenn das so wäre, würde es ja automatisch passieren, egal in welcher Umgebung, oder?“

      Genau das ist es! Jede gute Idee kann natürlich auch in eine extreme, diskriminierende Richtung gelenkt werden (in dem Fall das völlige Unterdrücken von allen, was zum klassischen Rollenbild gehört), aber das ist bei GCP nicht gemeint. Viele Menschen, die diese Ideen kritisieren, sind sich dessen aber nicht bewusst.

      Genau so sehe ich das auch. Klar werden Kinder, die sich nicht gängigen Stereotypen entsprechend verhalten, erstmal schräg angesehen, aber das wurden so viele Leute, die etwas Neues gewagt und sich anders verhalten haben. Nur weil etwas ungewohnt ist, ist es nicht gleich schlecht. Ich verstehe die Kritik, dass es eben Kinder sind, die für diese „Versuche“ „benutzt“ werden und die sich diese Erziehung nicht selbst ausgesucht haben im Gegensatz zu z.B. erwachsenen Frauen, die sich entscheiden, sich nicht geschlechternormkonform zu verhalten. Aber der Sinn des Erziehungsstils ist trotzdem, dass Kinder sich alles selbst aussuchen. Und wenn ein fußballspielendes Mädchen schräg angesehen wird, weil es gerne Fußball spielen will, ist das eine tolle Gelegenheit für die Eltern, ihr beizubringen zu dem zu stehen, was sie mag.

      Ich möchte auch gerne glauben, dass wir da auf einem besseren Weg sind. Auf jeden Fall auf einem besseren als in den 50ern z.B.

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  4. Salut, Charlie.
    "Der Mensch ist durch seine Persönlichkeit geformt & wird durch seine Umgebung definiert"
    (Myrelle Minotier)
    Vom humanistischen Menschenbild ausgehend, scheint mir "GCP" mehr der alte Wein in der neuesten Trend-Verpackung. Wobei der Weg zum ideologischen Starrsinn (Dogma, sic!)nicht weit ist, wie mir die intro-erwähnten Kanadier scheinen.

    Ideologien & Dogmen sind es dann auch, die Menschen in Rollen zu zwängen suchen. Es bleibt also keine gute Idee immer wieder von neuem mit dem Starrsinn-Baukasten anzufangen.

    Oh ja, die lieben Verfechter "Dies&jenes-ist-wider-die-Natur" können in schöner Regelmäßigkeit formvollendet auf die Argumentations-Schnauze fallen, weil die Natur eben verdammt vieles kennt.
    Verbleibt der Rückzug auf "göttliche Order" als ultimates Totschlagsargument (gern auch im Sinne des Wortes).

    Kinder sind eine lebenslange Aufgabe. Man/frau kann Ihnen die humanen Grundlagen beigeben, Ihre Talente erkennen - ansonsten haben wir keinen sonderlichen Einfluss auf Ihr Leben.

    Persönlich sehe ich Nationalität (ähnlich wie Religion) als künstlichen, übergestülpten Überbau, der Idendität eher im Wege steht.

    Eine "völlig geschlechtsneutrale" Erziehung lässt mich jetzt eher an Sekten denken, denn an eine anzustrebende Vorstellung. Schließlich sind die Eltern eben ein präsentes Vorbild der Entwicklungen, die nicht auf "neutral" gestellt werden können.

    In summa ist also eine Liebe, Offenheit & Anerkennung, die wir Kindern geben, das Wesentliche - nicht Ideologie.

    bonté

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    1. Nun, dem Zitat würden einige Psychologen wohl widersprechen, da die Persönlichkeit auch nicht einfach komplett angeboren ist, aber ich verstehe, was gemeint ist.

      Klar, im Grunde ist GCP einfach nur ein neuer Begriff für Ideen, die es schon lange gibt und die meiner Meinung nach eigentlich auch selbstverständlich sein sollten, wie in meinem Post vermutlich rüberkommt. „Geschlechtsneutrale“ Erziehung, wie ich sie verstehe, heißt ja eigentlich auch nicht etwas bestimmtes tun und das Kind auf bestimmte Weise formen sondern eher bestimmte Dinge nicht mehr tun und nicht mehr so viel in die Entwicklung eingreifen. Also so, wie wir es vermutlich tun würden, wenn wir die festen Geschlechterrollen nicht hätten.

      Oh ja, religiöse Totschlagargumente habe ich auch schon viele gehört. Für mich haben die in einer Gesellschaft, in der jeder Mensch seine Religion frei wählen kann, allerdings keine Relevanz. Mit jemandem, der lediglich auf religiöser Basis argumentiert, kann ich nicht diskutieren.

      Nun ja, bei der Nationalität kommt es drauf an, wie sehr man sich mit ihr identifiziert. Ich persönlich kann auch nicht so richtig nachvollziehen, wieso Menschen einen zufälligen Fakt zu einem so großen Teil ihrer Identität machen, aber das kann ja jede*r halten, wie er*sie will. Und wenn man in dem Land lebt, dessen Nationalität man hat, wird man wohl höchstens im Unterschied mit Minderheiten merken, wenn man speziell nach seiner Nationalität behandelt wird.
      Eine Religion kann man auch einfach nicht ausleben und verstecken, wenn man sich nicht mit ihr identifiziert.
      Das Geschlecht ist jedoch sehr präsent im Alltag, muss häufig irgendwo angegeben werden und ist schon allein bei der Frage des zu verwendenden Pronomen wird es relevant. Man könnte es nicht mal verstecken, wenn man es wollte.
      Doch klar, wenn die Eltern Religion oder Nationalität sehr stark „ausleben“, beeinflussen sie ein Kind auch in der Bildung seiner Identität. Dabei kommt es drauf an, ob sie es nur für sich selbst ausleben und die Kinder es beobachten oder ob die Kinder quasi aktiv „mitmachen müssen“.

      Was hat das denn mit einer Sekte zu tun? An eine Sekte würde ich vermutlich denken, wenn das Ziel wäre, dass das Kind sich geschlechsneutral verhält, aber darum geht es ja gar nicht. Es geht nur darum, den Kindern die freie Wahl für alles zu lassen. Ein Mädchen, das pink trägt und mit Puppen spielt, wäre aber dennoch „erlaubt“. Unheimlich fänd ich nur Eltern, die ihren Kindern quasi jedes geschlechtsspezifische Verhalten „verbieten“.
      Aber du hast recht, allein durch ihr eigenes Verhalten werden die Eltern Kindern natürlich immer gewisse Rollen zeigen. Wichtig ist eigentlich nur, den Kindern klarzumachen, dass es nicht nur eine Art gibt „normal“ zu sein und dass sie sich auch anders entwickel dürfen.

      Deinem ersten Satz schließe ich mich durchaus an. So verstehe ich allerdings auch Zoomers Eltern und die Grundidee des GCP.

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    2. ...die "völlig geschlechtsneutrale" Erziehung war jetzt nur als Blick auf mögliche Extreme angedacht; weil es stets Menschen gibt, die 200% zu sein versuchen (warum auch immer).

      bonté

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  5. Du stellst am Anfang genau die richtigen Fragen: 1. warum tun wir das eigentlich, mit Hinweis auf durch die (Konsum-)industrie gesteuerten Interessen. und 2. Leben wir nicht in einer Gesellschaft, die schon über das Stadium hinaus ist... die Größenordnung, in der diese und ähnliche Themen heutzutage diskutiert werden, lässt eigentlich nur eine Antwort zu: Nein, leben wir nicht. Sonst sähe sich niemand in der Veranlassung, seine Kinder geschlechtsneutral zu erziehen. Bedeutet es doch, dass Jungs nicht mit Puppen spielen dürfen und Mädels nicht auf Bäume klettern. Ja, da waren wir schon mal weiter.
    Hier http://www.queerformat.de/material/QF-Kita-Handreichung-2018.pdf ein Leitfaden für Erzieher zu dem Thema, Ebenfalls kontrovers diskutiert, vor allem scheint ir von Leuten, die das gar nicht erst gelesen haben. Erzieher, mit denen ich darüber sprach, fühlten sich meist allein gelassen und begrüßen diesen daher ausdrücklich. Könnte dich interessieren ?!

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    1. Hi Martin,
      da hast du leider absolut recht. Würden wir schon in einer solchen Welt leben, würde sich die Diskussion um geschlechtsspezifische und -neutrale Erziehung erübrigen. Daher war meine Frage auch eher rhetorisch gemeint, obwohl ich mir eine solche Welt durchaus wünschen würde. Da bräuchte es den Begriff „geschlechtsneutrale Erziehung“ dann nämlich gar nicht.

      Das Problem bei diesen Kontroversen ist ja häufig auch, dass die Leute darüber diskutieren, die sich offenbar gar nicht damit befassen haben sondern nach dem Motto handeln „Kenne ich nicht, ist bestimmt schlecht“. Ähnliches kann man in den Kommentaren auf dem Instagramaccount von Zoomers Eltern beobachten. Danke für den Link!

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Charlie