[Reisebericht + Fotos] Israel Januar 2017

Charlie | Samstag, 22. April 2017 |

Endlich, nur schlappe drei Monate nach meiner Reise nach Israel, komme ich endlich dazu, den dazugehörigen Reisebericht zu verfassen.
Der letzte Post ist ja nun auch schon eine Weile her, was daran liegt, dass ich in den vergangenen Wochen entweder mit dem Lernen für Klausuren oder mit Theaterproben und Musicalshows (mehr dazu ein andernmal) beschäftigt war; dabei habe ich noch einige Post-Ideen in petto.


Ich freue mich sehr, stolz verkünden zu dürfen, dass ich diesmal meinem Reisebericht sogar professionellere Fotos beifügen kann, da ich glücklicherweise mit einem sehr ambitionierten Hobbyfotografen mit super Ausrüstung unterwegs war ;). Vielen Dank an ihn, dass ich die Fotos verwenden darf, da sie ja doch um einiges besser sind, als die, die ich sonst mit meiner Handykamera mache.
Falls ihr mehr von seinen wirklich tollen Bildern sehen wollt, schaut gerne auf seinem Instagram-Account vorbei.



Tel Aviv



Wie es dazu kam


Israel mag nicht gerade wie ein typisches Reiseziel für eine junge Frau wirken, das normalerweise eher europäische Metropolen und ländliche Urlaubsgegenden bereist, und glaubt mir: Bis zu dem Tag, an dem ich die Flüge gebucht habe, hätte ich auch nicht gedacht, dass ich in den nächsten Jahren mal nach Israel fliegen würde.

Im Grunde war es die Idee meines Reisebegleiters, der über einen Schüleraustausch vor ein paar Jahren Jugendliche aus Israel kennengelernt hatte, die ihn zum Teil auch schon in Berlin besucht hatten, sodass ein Gegenbesuch längst fällig war.
Als es dann bei EasyJet super Angebote für Flüge gab (etwa 70€ hin und zurück) und er - jemand, der kein günstiges Reiseangebot auslässt - mich fragte, was ich von diesem Angebot hielt, fragte ich spontan, ob ich mitkommen könnte, und noch am selben Tag buchten wir eine Reise nach Israel.
So spontan und undurchdacht habe ich, glaube ich, noch nie einen Urlaub geplant, und letztendlich kam die Reise auch unitechnisch etwas ungelegen (wobei sie auf wundersame Weise auf keine Pflichtveranstaltungen fiel), aber ich bereue die Entscheidung definitiv nicht.

Brunnen in Tel Aviv


Vor der Reise


Gebucht haben wie die Flüge etwa ein Dreivierteljahr vor der Reise und ein paar Wochen vorher kamen mir dann doch ein paar Zweifel, vor allem natürlich wegen der Sicherheit.
Zwar gibt es in letzter Zeit leider auch in Europa immer wieder Anschläge, aber Israel ist wegen des ewigen, komplizierten Konflikts mit Palästina und der... sagen wir angespannten Haltung zu seinen Nachbarländern nochmal ein ganz anderes Pflaster.
 Allerdings kannte ich einige Menschen, die schon dort hingereist und heil wieder zurückgekommen waren (und niemandem, der dort war und nicht heil wiedergekommen ist :D), und selbst das Auswärtige Amt warnt nur von bestimmten Gegenden, in die zu reisen ich ohnehin nicht vor hatte.
 Einzig und allein der geplante Besuch in Jerusalem machte mir noch etwas Sorgen, da das Auswärtige Amt dort dazu rät, sich von öffentlichen Verkehrsmitteln und Menschenmengen fernzuhalten, und genau da bin ich als Touristin bisher eigentlich immer gelandet...
Letztendlich konnte ich aber schlecht eine seit langem geplante und bezahlte Reise absagen und bin dann doch über meinen Schatten gesprungen.


Wenige Tage vor der Reise wurde uns beiden Genies dann auch klar, dass Israel nicht in Europa liegt und wir demnach dort nicht krankenversichert sind, da wir nur eine EU-Krankenversicherung haben. Glücklicherweise lässt sich sowas in Tagen des Internets ja bequem noch online für nur wenige Euro im Jahr abschließen ;).
Zum Glück kann ich sagen, dass wir die Versicherung nicht in Anspruch nehmen mussten, aber sicher ist sicher, nicht wahr?


Jerusalem von der Erlöserkirche aus


An- und Abreise


Israel war mein erstes Reiseziel außerhalb Europas und der Flug dahin der bisher längste für mich, mit etwa 4h allerdings noch erträglich. Ich bin kein Freund davon, stundenlang auf engem Raum hocken zu müssen, aber kurze Flüge finde ich schön. Ich werde nicht müde, die Wolken von oben zu beobachten (Auch wenn ich im Gegensatz zu gewissen Herren nicht jedes Mal Fotos und Videos davon mache ;)) und ich finde sogar Luftlöcher witzig :D.

Eine völlig neue Erfahrung waren hingegen die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv, vor denen ich bereits gewarnt wurde.
Schon auf dem Hinflug mussten wir zweimal durch die Sicherheitskontrolle (Ich wusste nicht mal, dass es in Schönefeld so viele gibt :P) und bei der Ankunft in Israel mussten wir den Sicherheitsbeamt*innen sagen, in welcher Beziehung wir zu einander stehen, wieso wir in Israel waren, wie lange wir bleiben würden, was wir dort wollten und wo wir wohnen würden.
Das war allerdings noch harmlos im Gegensatz zu dem Verhör, dem wir auf der Rückreise ausgesetzt wurden. Neben der erneuten Frage, in welcher Beziehung wir zu einander standen und was wir in Israel gemacht hatten, mussten wir viele weitere, zum Teil recht private Fragen beantworten, wie z.B. wie oft wir einander unter der Woche sehen würden. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass man uns darauf überprüfte, ob wir mit einer falschen Identität reisten. Und natürlich kam auch die obligatorische Frage, ob uns jemand etwas mitgegeben hätte, das wir einpacken sollten, ob wir unsere Koffer selbst gepackt hätten und ob wir irgendetwas dabei hätten, das mitzunehmen verboten wäre. Diese Frage konnte ich ehrlich gesagt nie verstehen, da unsere Koffer ohnehin wie alle anderen gescannt wurden.
Die Sicherheitsbeamt*innen waren stets streng, aber freundlich, aber dennoch hat mich diese Fragerei ziemlich eingeschüchtert, obwohl wir natürlich nichts zu verbergen hatten.



  Sicherheit


Allgemein fiel mir schnell auf, dass die Israelis (verständlicherweise) sehr auf Sicherheit bedacht sind. Betritt man z.B. den Busbahnhof in Jerusalem oder ein großes Einkaufszentrum in Tel Aviv - ganz zu schweigen von Orten mit religiöser Bedeutung wie dem Tempelberg -  muss man dabei durch eine Sicherheitskontrolle wie am Flughafen (bei der die Taschen gescannt werden) und sich ggf. in die Tasche schauen lassen.
Auch Soldat*innen mit Maschinengewehren, die teilweise auch einfach gemütlich durch die Straßen schlendern, sind kein seltener Anblick. Dabei fallen vor allem die vielen jungen Menschen auf, was nicht verwunderlich ist, da in Israel junge Männer drei und junge Frauen zwei Jahre Wehrdienst ableisten müssen und es somit viele Soldat*innen in meinem Alter gibt.
Normalerweise bekomme ich beim Anblick von Waffen ein mulmiges Gefühl, aber ich muss sagen, dass die vielen Soldaten in Israel auf mich irgendwie beruhigend gewirkt haben. So als könnte uns, sollte es zu einem Anschlag kommen, immer jemand verteidigen - auch wenn der Gedanken z.B. im Falle eines Bombenanschlags eher irratonal wäre.



Jerusalem von der Erlöserkirche aus gesehen

Menschen


Ich muss immer wieder feststellen, dass es eine fantastische Erfahrung ist, in einem fremden Land bei Einheimischen zu wohnen, da man so einfach am meisten vom Leben, den Leuten und der Kultur mitbekommt.

Beinahe jeder Mensch, dem wir in Israel begegnet sind, allen voran unsere Gastgeberfamilie, war unglaublich gastfreundlich und hilfsbereit uns gegenüber und ich habe mich absolut willkommen gefühlt. Jede Person, der wir vorgestellt wurden, hat uns freundlich begrüßt, teilweise neugierig ausgefragt und sofort in ihren Reihen akzeptiert.
Dabei hatte ich vorher einige Bedenken, so als Deutsche in einem Land, in dem vor allem aus Angehörigen der Religion besteht, die bei uns vor etwas mehr als 70 Jahren so grausam verfolgt wurde. Aber im Gegensatz zu anderen Leuten, die Deutsche immer noch gerne pauschal als Nazis abstempeln, scheinen die Israelis absolut keinen Groll gegen Deutsche allgemein zu hegen. Vorurteile und Misstrauen hegt man hier, wenn überhaupt, eher gegen eine andere Menschengruppe, aber dazu später mehr.

Besonders der Freund, bei dem wir wohnten, und seine Familie waren so unglaublich lieb zu uns, dass ich gar nicht weiß, wie wir ihnen das je zurückzahlen können. 
Uns wurde ein eigenes Zimmer freigeräumt und das, obwohl sich hier eine siebenköpfige Familie eine Wohnung teilte, die nicht viel größer war als die, die ich mir zuhause mit nur zwei anderen Leuten teile (und wir sind jetzt auch nicht gerade reich). Wie wir schnell lernten, sind die Mieten in Israel offenbar unglaublich hoch - und wir wohnten nicht einmal in einer großen Stadt.
Obwohl in Israel so ziemlich alles deutlich teurer ist als bei uns in Deutschland (6€ für ein Bier in einer abgeranzten Kleindstadt-Kneipe!), lud uns unser Gastgeber andauernd zum Essen ein (nur Kleinigkeiten unterwegs, aber die waren schon teuer genug), sodass wir am Ende ein wirklich schlechtes Gewissen hatten und versuchten, beim Bezahlen schneller zu sein als er :D.
Zufällig fiel unser Besuch auch auf einen Geburtstag, sodass wir auch Gäste auf einer großen Familienfeier wurden, was besonders deshalb lustig war, weil unsere Gastgeberfamilie russischstämmig war und wir, obwohl wir uns in Israel befanden, einen ganzen Abend lang nur russischen Gesprächen und russischem Fernsehen lauschen konnten.

Überhaupt gibt es in Israel scheinbar sehr viele russischstämmige Familien, von denen sich viele untereinander kennen, sodass sogar die Freund*innen der Familien oft untereinander Russisch sprachen und die wenigen unserer neuen Bekannten, die diese Sprache nicht beherrschten, sich ab und an wie Außenseiter vorkamen.

Die Kommunikation mit anderen, so freundlich sie auch waren, gestaltete sich dagegen teilweise etwas schwierig, da viele Menschen, unter anderem die Eltern und Großeltern unseres Gastgebers, kein Englisch sprachen und wir weder Russisch noch Hebräisch. Auch verriet uns ein Familienmitglied, dass wohl viele auch deshalb nicht viel mit uns sprachen, weil sie sich für ihr nicht perfektes Englisch schämten. 
Das fand ich erstens nicht nötig, da wir beide auch nicht perfekt Englisch sprechen, und zweitens sehr schade, denn die Gespräche mit denen, die mit uns sprachen, fand ich äußerst spannend. Selten bekomme ich auf meinen Auslandsreisen sonst die Gelegenheit, so viel mit Einheimischen zu sprechen, wie wenn ich bei welchen wohne.

Ein großer Vorteil daran, bei Gleichaltrigen zu wohnen, war, dass wir so quasi den Alltag der israelischen Jugend mitbekommen konnten - der, im Grunde, nicht großartig anders erscheint als unserer, abgesehen vom Wehrdienst natürlich. Wegen diesem wohnen viele junge Menschen nicht zuhause und können nur alle paar Wochen für einige Tage nach Hause. 
Ansonsten verbringt auch die israelische Jugend ihre Zeit scheinbar ähnlich wie wir, z.B. indem sie mit Freunden in Bars, am Meer oder anderen schönen Orten abzuhängen, wozu wir netterweise mitgenommen wurden. So bestand unser Alltag aus einer Mischung aus typischen Touristenaktivitäten und entspannten Treffen mit unserem Gastgeber und seinen Freund*innen, wobei wir z.B. am Meer spazierengingen und im Wald picknickten. 


Jede Menge Katzen waren auch unterwegs - tiefenentspannt, wie man sehen kann

Politik


Politik ist immer ein heikles Thema, das gerne die Gemüter aufheizt, und gerade in Israel habe ich so gut wie möglich versucht, mich davon fernzuhalten, nicht zuletzt, weil ich nicht von mir behaupten kann, die doch eher komplizierte politische Lage in Israel zu verstehen.

Trotz allem war es spannend, einige Andeutungen über die politische Situation zu hören, unter anderem anlässlich unserer Nervosität bei den Sicherheitskontrollen, wo man uns sagte, solange wir nicht arabisch aussähen, hätten wir nichts zu befürchten. Damit will ich israelischen Sicherheitskräften nichts unterstellen, denn das war natürlich nur eine subjektive Bemerkung, aber es waren doch, insbesondere in Jerusalem am umkämpften Tempelberg deutliche Spannungen zwischen den jüdischen und den muslimischen Sicherheitskräften zu spüren und unseren jüdischen Begleiter gingen nur ungerne dort mit uns rauf. 

An einem Abend ließ sich eine politische Diskussion dann auch kaum vermeiden, denn während wir in Israel waren, wurde Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt, was sich die ganze Familie (während besagter Geburtstagsfeier) im russischen Fernsehen ansah. Die russischen Kommentare und die Übersetzung verstanden wir zwar nicht, allerdings sehr wohl das Englisch Trumps und unsere Gesichter müssen wohl Bände gesprochen haben, denn wir wurden darauf angesprochen, was wir von ihm hielten und wieso wir ihn offenbar nicht mögen würden.
Ich unterhielt mich vor allem mit einer Frau, die mir absolut freundlich und offen begegnete, doch in diesem Gespräch offenbarten sich ein paar interessante Dinge. 
Unter anderem hegten offenbar sie und ihr Verlobter gewisse Sympathien für Trump, da der sich positiv über Israel geäußert und hartes Durchgreifen gegenüber dem IS angekündigt hatte. Unsere Einwände über seine Innenpolitik in Sachen Sozialversicherung, Steuerkürzungen für Reiche, Einflussreiche Menschen aus der Wirtschaft in der Regierung, etc. schienen sie nicht sonderlich zu beeindrucken.  
Stattdessen fanden die beiden es scheinbar gut, mit welchem Misstrauen und welcher Ablehnung Trump Moslems begegnet und von meiner Gesprächspartnerin kamen sogar Bemerkungen wie "Moslems sind mir unheimlich, die sind gefährlich." oder "Fast immer, wenn ein Terroranschlag begangen wird, waren es Moslems." (Korrelation != Kausalität und so...). 
Das war insbesondere deshalb seltsam, da sie sich kurz zuvor noch beschwert hatte, wie negativ Israel in den Medien in anderen Ländern oft dargestellt werde (in Bezug auf den Krieg mit Palästina) und dass man doch auch mal auf die posititven Seiten schauen und erkennen solle, dass nicht alle Israelis an diesem Krieg schuld oder beteiligt seien. Anscheinend schien sie sich trotzdem zeitgleich von eben solchen einseitigen Medienberichten über Moslems beeinflussen zu lassen, obwohl auch diese logischerweise nicht alle gleich und nicht für die Taten der anderen verantwortlich sind. 
Obwohl sie es sicher nicht böse meinte und von sich selbst behauptete, ein offener Mensch zu sein und andere einfach als Menschen zu behandeln, schwang hier doch ein wenig Islamophobie durch. Möglicherweise normal in einem Land, das von ihm nicht gerade freundlich gesinnten Nachbarländern umgeben und mit einem muslimisch geprägtem Land im Krieg ist. 

Jerusalem von der Erlöserkirche aus gesehen


Was es zu sehen gab: Architektur, Sehenswürdigkeiten, Landschaft und Wetter


Um nicht alle Bilder am Ende zu ballen, habe ich sie schon ein wenig im Post verteilt, aber nun komme ich endlich dazu, auf die für mich sehr spannende Architektur in den beiden großen israelischen Städten einzugehen, die wir besuchten: Tel Aviv und Jerusalem, ein Unterschied wie Tag und Nacht.

In Tel Aviv fällt sofort die moderne Architektur auf. So etwas wie eine Altstadt scheint es nicht zu geben; alle Häuser wirken modern; kaum eins scheint älter als 30 Jahre zu sein (Oder wann auch immer diese Art von Hochhäusern gebaut wurde; ich bin auf diesem Gebiet wirklich nicht so bewandert.). Und obwohl die Stadt von den Mieten her extrem teuer sein soll, wirken viele der Gebäude, die ich ohnehin nicht besonders schön fand, etwas abgeranzt.
Dafür enstanden auch wunderschöne Kontraste wie z.B. dieser hier zwischen dem hübschen Mosaik-Brunnen und den Hochhäusern im Hintergrund:

Tel Aviv
Und obwohl ich kein großer Fan moderner Hochäuser bin, hat so eine Skyline schon etwas Beeindruckendes:

Tel Aviv


Jerusalem - oder zumindest der alte Teil, der für uns Tourist*innen am spannendsten war - war ein riesiger Kontrast zu der kalten Modernität Tel Avivs. Hier sah es so aus, wie ich mir Israel in meiner klischeehaften Vorstellung ausgemalt hatten: viele alte Gebäude aus Stein in gedeckten Farben, meist sandfarben, eine bunte Mischung aus Kirchen, Synagogen und Moscheen und viele orthodoxe Juden, die man bereits an ihrer Kleidung erkennt, in den Straßen.
Einen besonders tollen Blick hatte man vom Turm der Erlöserkirche:

Jerusalem von der Erlöserkirche aus gesehen

Und natürlich gab es zwei Orte, die wir als Touristen unbedingt besichtigen mussten.
Zum einen die Klagemauer,

Die Klagemauer in Jerusalem

...zum anderen den Tempelberg, einen stark umkämpften, religiösen Ort, der sowohl für den Islam als auch für das Judentum eine große religiöse Bedeutung hat und für dessen Betreten strenge Regeln gelten, da er eigentlich nur für Angehörige des Islams zugänglich ist.
Der einzige Ort in Israel übrigens, an dem wir Frauen unsere Haare bedecken mussten. In Synagogen gilt die Pflicht zur Kopfbedeckung nur für Männer, was ich schon immer ganz spannend fand, da man im Zusammenhang mit Religion und Kleiderordnung sonst ja eher von Regelungen für Frauen hört. Im orthodoxen Judentum gibt es seine solche Regel auch: Verheiratete Frauen müssen ihre Haare entweder mit einem Kopftuch, einem Hut (oder Ähnlichem) oder einer Perrücke bedecken.


Felsendom auf dem Tempelberg


Einen ganzen Tag verbrachten wir außerdem in Yad Vashem, der nationalen Holocaust-Gedenkstätte, die offiziell "Gedenkstätte der Märtyrer und Helden Israels im Holocaust" heißt und in der Nähe von Jerusalem liegt. 
Dort gibt es zum einen ein großes Museum, das die Geschichte der Judenverfolgung in einer mit sehr viel Quellenmaterial und Darstellungen (Fotos, Dokumente, Zeitzeugeninterviews, ...) gut ausgestatteten, sehr detaillierten Ausstellung zusammenfasst. Zwar war das meiste davon für mich nicht neu, da ich sowohl in der Schule als auch durch das große Interesse einiger Familienmitglieder sehr gut über diese Zeit "aufgeklärt" bin, doch ich war trotzdem beeindruckt von der vielen Arbeit und dem Herzblut, die in diese so wichtige Dokumentation gesteckt wurden, und wie immer von einigen der schockierendsten Aufnahmen und Beschreibungen äußerst bedrückt. Es gibt Dinge, die kann man einfach nicht verstehen, egal wie oft man sie sieht und davon hört.
Auf dem Gelände Yad Vashems gibt es außerdem verschiedene Denkmäler, beispielsweise eines für die im Holocaust ermordeten jüdischen Kinder: eine Halle, die nur von wenigen Kerzen erleuchtet wird, welche durch Spiegel jedoch endlos vervielfacht werden. Von einem Tonband werden dort die Namen und das Alter der ermordeten Kinder vorgelesen, was für eine sehr bedrückende Stimmung sort.
Yad Vashem ist ein durch seine Thematik bedrückender, aber gleichzeitg durch seine Gestaltung auch wunderschöner Ort, an dem deutlich wird, dass der Holocaust zwar schrecklich war, das Gedenken an die Opfer aber eine schöne Botschaft in sich trägt, nicht zuletzt, da man dadurch auch dafür sorgen will, dass so etwas nie wieder vorkommt.
 
Der Ausblick nach dem Verlassen des Museums - Ansonsten ist das Fotografieren in Yad Vashem größtenteils verboten (Handyfoto)
 


Ans Tote Meer haben wir es leider nicht mehr geschafft, da das von uns aus zu weit weg war, doch am Meer waren wir trotzdem, in der Hafenstadt Ashdod.

(Handyfoto)
Obwohl es zum Baden leider zu kalt war, hatten wir trotzdem großes Glück mit dem Wetter. Während unseres Besuchs schien durchgängig die Sonne und es waren angenehme 20 Grad - für uns ein Luxus im Vergleich zum kalten Berlin, während sich unser Gastgeber über die Kälte beschwerte.
Zusammen mit dem Palmen überall hatte das fast schon etwas von Sommerurlaub.





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So weit, so gut - Das war's erstmal mit meinem Bericht aus Israel. 
Insgesamt war die Reise eine wirklich tolle und spannende Erfahrung. Es macht schon etwas aus, wenn man einmal aus Europa rauskommt, aber auch, wenn man unter Einheimischen Urlaub macht und nicht nur in Hotels und Touristengegenden rumhängt.
Israel ist ein in vielerlei Hinsicht faszinierendes Land und wir haben dort tolle, überaus gastfreundliche Menschen kennengelernt. Ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann wieder zurückzukommen, und wünsche mir nun umso mehr, dass alle dort lebenden Menschen für ihre Konflikte eines Tages eine friedliche Lösung finden. Das hätten sie verdient. 

Wart ihr schon mal in Israel oder würdet ihr gerne dort hinreisen? Was interessiert euch an dem Land oder warum interessiert es euch vielleicht nicht besonders?
Wohin würdet ihr gerne einmal reisen?

Kommentare:

  1. Krass. Ich selbst bin ja, ich denke wie du auch, nicht unbedingt der Metropolen-Fan sondern stehe eher auf Städtereisen. Während meine Freunde alle eher von einer Shoppingtour in Manhattan träumen will ich lieber unbedingt mal nach Marrakesch, Israel und ähnlichem. Daher finde ich deinen Reisebericht auch richtig spannend! Ich selbst war ja was verreichen angeht erst einmal (als erster allein-Urlaub mit einer Freundin) in London und Dänemark mit meiner Familie, sonst nichts. Grade Länder wie Israel finde ich unheimlich spannend und möchte dort auch unbedingt mal hin. Hätte nur nicht gedacht das es dort so modern und teuer wäre. Ich weiß nicht wieso, aber irgendwie habe ich mir das auch eher in Richtung Jerusalem vorgestellt. Auch hätte ich nicht gedacht das es dort so "Frauenoffen" ist - weshalb ich da auch etwas "Angst" vorhabe. Nicht weil ich unbedingt Angst vor Anschlägen haben, aber ich habe Angst - besonders als Frau ^^ - irgendwas falsch zu machen ohne mir dessen Bewusst zu sein und dann im schlimmsten Fall nichts zu verstehen wenn es mir jemand sagen will. Immerhin habe ich noch nichtmal Ahnung welches Lang welche Religion am meisten vertritt und wer genau gegen wen Krieg führt (bin da nicht so wissend ^^).

    Echt cool das du da warst - beim lesen und angucken der Bilder kam in mir schon irgendwie Fernweh hoch.

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    1. Hast du ein Glück, dass ich grad durch meinen Blog gescrollt und mich gewundert hab, wieso der Post schon einen Kommentar hat, obwohl ich gar keinen freigeschaltet hab ^^. Sonst hätte ich deinen Kommentar jetzt wieder übersehen :D.

      Du weißt aber schon, dass Metropolen auch Städte sind und Reisen in Metropolen demnach auch Städtereisen :D?
      Ich weiß nicht genau, wie sich eine Metropole definiert, aber es gibt durchaus welche, die ich mir mal ansehen wollen würde, zB New York, oder welche, die ich mag, zB London oder Paris. Aber ich mag sie halt nicht, weil man dort shoppen kann, sondern weil sie einfach wahnsinnig interessant und vielseitig sind.

      Ich glaube, ich würde niemals nur zum Shoppen wegfahren. Ich bin ja eh nicht so der Shoppingfreak, aber ich hab auch einfach nicht genug Geld, um nach London, Paris oder so zu fliegen, nur um dort für noch mehr Geld einzukaufen. Ich will was sehen, was Neues entdecken.

      Freut mich, dass du den Bericht spannend findest :).

      Das ging mir genauso: Ich hätte mir Israel ganz anders vorgestellt! Aber es gibt da halt auch noch andere Orte als die uralten, die man aus dem Religionsunterricht kennt ^^.

      Naja also soweit ich es gehört habe, gibt es nur einen Ort, an dem man als Frau wirklich darauf achten muss, was man trägt und wie man sich verhält, und das sind die ultraorthodoxen Viertel von Jerusalem, wo du als Frau "modest clothing", also zB lange Röcke, keine Hosen, keine engen Oberteile und so, tragen sollst aus Respekt vor der Kultur dieser Menschen. Darauf wird aber auch auf Schildern hingewiesen.
      Ansonsten ist Israel so modern wie die meisten anderen Länder auch, so wie ja auch viele islamisch geprägte Länder nicht jede Regel, die es in ihrer Religion für Frauen gibt, zum Gesetz machen. In freiheitlich demokratischen Staaten kannst du ja entscheiden, ob du einer Religion folgen willst oder nicht.
      Israel ist übrigens größtenteils jüdisch ;). Wobei besonders in Palästina natürlich auch viele Moslems leben und es religiöse Orte gibt, die für Juden, Christen und Moslems von Bedeutung sind.
      Generell ist es empfehlenswert, ein Land, dessen Sprache man absolut nicht spricht, mit Einheimischen oder Leuten, die sich auskennen, zu besuchen, aber wenn man sich vorher gut einliest in Kultur und Sitten, kann man schon nicht so viel "falsch machen" ^^. Gerade an touristischen Orten sind die ja an Fremde, die keine Ahnung haben, gewöhnt :D.

      Ich hab auch schon wieder Fernweh, weil ich bisher außer dem kleinen Trip zu dir keine weiteren Reisen geplant habe :(.

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  2. Yum tuv, Charlie.
    Anmerkenswert wie sich ein Rückflugticket für 70 Hebel rechnen soll - selbst nach Hinterobertupfingen..."Wir zahlen bei jedem drauf - aber die Menge macht's!". Gut, ich mag auch keine Discounter. ;-)

    Sicherheit ist eine relative Angelegenheit, weil verdammte Gewalt einen überall einholen kann. Tiefer gelegte Hemmschwelle in Kombi mit gepimptem Feindbild funktioniert leider überall auf der Welt.

    Verhindern können all die bewaffneten, jungen Leute die Gewalt aber auch nicht, denke ich.

    Der Mensch ist allgemein ein netter Zeitgenosse mit dem es sich auskommen lässt...solange Ängste keine Rolle spielen. Mag banal als Feststellung sein, greift aber überall wo Menschen aufeinander treffen.

    In der Not funktioniert Kommunikation mit den sprichwörtlichen Händen & Füssen, weil uns der Austausch in den Genen liegt. Man/frau muss nur eine Gemeinsamkeit finden.

    Einfaches S/W-Denken lässt einen eben einfacher durchs Leben schlafwandeln, weil man/frau sich keine originär eigenen Gedanken machen muss. Solange mir eine Obrigkeits-Instanz (gleichgeschaltete russische Medien, hier) vorgibt was ich zu denken habe, ist die Welt leicht in wir & die da einteilbar.
    Alles Widersprüchliche wird dabei grosszügig ausgeklammert - siehe Anhänger des Minority Elect.

    Die angesprochene Islamophobie ist jetzt nicht die Norm in Israel, weil die Friedensbewegung vor Ort nach wie vor existiert.

    Schleierhaft (sic!) bleibt mir, warum Haar von Frauen so anders sein soll als von Männern.

    Trotz aller Mahnmale & Gedenkstetten mordet, foltert, erniedrigt & unterdrückt der Mensch den Menschen weiter. Egal mit Hilfe welcher Ideologie kaschiert. Ausgesprochen armselig...

    Mit dem physischen Reisen habe ich es nicht so - ich reise lieber im Kopf.

    Sollte ich es noch nicht bereits getan haben, hier der Link zu Hadassas Seite; einer Schwäbin, die in Tel Aviv lebt:

    http://fragmentage.blogspot.de/

    Quasi der Blick auf das liberale, linke Israel...

    Hoffe Du hast auch ein gutes Hummus vor Ort verputzt - das kulinarische Bindeglied zwischen beiden orientalischen Kulturen.

    bonté

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    1. Das war nicht mal der Rückflug, das waren beide Flüge für 70€. Billig-Airlines halt. In Anbetracht der Tatsache, dass RyanAir schon mal Flüge für 1€ im Angebot hatte, wundert mich kaum noch etwas... Obwohl ich mich auch frage, wie sich das rechnen soll.
      Dafür zahlt man dann halt wirklich für jeden Mist drauf, für Gepäck zB mehr als für den Flug selbst.

      So ist es wohl leider, aber das macht Israel dann eben auch nicht zu einem gefährlicheren Ort als viele andere.
      Und natürlich können sie das nicht. Wie gesagt, gegen Bombenanschläge zB können Schusswaffen auch nicht viel ausrichten.

      Ängste machen mit Menschen sowieso furchtbare Dinge, vor allem wenn sie dann auch noch ausgenutzt und durch Manipulation geschürt werden.

      Oh nein, ich wollte es auch auf keinen Fall so rüberbringen, als wäre Islamophobie dort die Regel. Ich fand es nur bei ihr persönlich so spannend, weil sie sich ihrer Vorurteile scheinbar auch gar nicht bewusst war.

      Tja, das werde ich auch nicht verstehen, weil ich persönlich noch nicht viel mit Regeln zum Bedecken von Haaren und deren Begründung in Berührung gekommen bin. Aber an einem solchen Ort habe ich die Regel dann einfach mal stillschweigend zur Kenntnis genommen und respektiert.

      Weil einfach immer wieder neue, dämliche Begründungen dafür gefunden werden, bestimmte Menschen zu niederen Wesen zu degradieren, die irgendwie "weniger Mensch" sind als andere. So kann man auch problemlos seine normale Moral beibehalten und trotzdem Menschen wie Dreck behandeln...

      Den Blog hast du mir tatsächlich schon einmal empfohlen und ich lese ihn auch :).

      Habe ich natürlich, zusammen mit Falaffel, und nebenbei gelernt, wie man es richtig ausspricht :D.




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  3. Was für ein toller Reisebericht!
    Ich finde Israel auch so spannend und ich finde es total interessant, wie du auf alles, was die Reise mit sich brachte, eingehst. Von europäischen Ländern habe ich schon sooo viele Berichte gelesen, aber noch nie von Israel und der macht total Lust aufs Reisen 😍 wenn nur kein Freund nicht so knauserig wäre, was Reisen angeht - kein Problem mal so hunderte von € für eine Konsole auszugeben, aber ne Reise, nene.
    Ich muss sagen, dass ich auch etwas Angst hätte, gerade was Sicherheit angeht, aber wahrscheinlich muss man schon großes Pech haben, wenn man ausgerechnet in diesen paar Tagen Opfer eines Vorfalls wird.
    Die Bilder sind übrigens total gelungen, wenn ich dreinem Freund auf Insta nicht schon folgen würde, würde ich es jetzt machen :D
    Super inspirierend, klasse geschrieben! Ich hoffe, ich komme auch mal nach Israel und dieses Jahr überhaupt noch mal von zu Hause weg 😁

    Viele Grüße
    Fina

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    Antworten
    1. Danke sehr :).
      Es gab auch wirklich viel Spannendes auf der Reise zu erleben und vieles, was mir aufgefallen ist. Es war definitiv eine meiner spannendsten Reisen bisher, weil dort wirklich so vieles so anders ist als hier.

      Ach ja, Männer und ihre Prioritäten :P. Meiner ist zum Glück besessen vom Reisen und findet auch immer noch günstige Möglichkeiten ^^.

      Ja, das denke ich auch. Man darf sich da keinen zu großen Kopf drum machen. Immerhin Reisen jedes Jahr etliche Leute dorthin und die meisten wohnen dort auch freiwillig ^^.

      Ich werds ihm ausrichten :D.

      Danke nochmal für die lieben Worte :).

      Liebe Grüße,
      Charlie

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