[Buchrezension] "These Broken Stars. Lilac und Tarver" von Amie Kaufman und Meagan Spooner

Charlie | Samstag, 4. März 2017 |


Tolles Setting und spannender Plottwist, die Charaktere könnten jedoch kaum klischeehafter sein

 

© Carlsen






Originaltitel: These Broken Stars
Autorinnen: Amie Kaufman und Meagan Spooner
Verlag: Carlsen
Genre: Jugendbuch, Science Fiction
Reihe: 1. Teil einer Trilogie
Erscheinungsdatum: Mai 2016
Seitenzahl: 496 (Hardcover)
Verlagsseite










Inhalt


Major Tarver Merendsen, der als Kriegsheld gefeiert wird, und Lilac LaRoux, Tochter des reichsten und mächtigsten Mannes im Universum, befinden sich beide auf einer Reise auf dem riesigen Raumschiff Icarus. Obwohl die beiden in völlig verschiedenen Welten leben, überleben ausgerechnet sie beide den mysteriösen Absturz des Raumschiffes und stranden zu zweit auf einem verlassenen Planeten, auf dem seltsame Dinge vor sich gehen.
Während Lilac nichts weiter als nach Hause will und Tarver mit ihrer arroganten Art auf die Nerven geht, versucht dieser verzweifelt, ihrer beider Überleben zu sichern. Und während die beiden auf der Suche nach Hilfe den Planeten durchkämmen, kommen sie sich näher, als sie gedacht hätten, denn beide haben sie unter ihrer sorgsam bewahrten Fassade ihr Päckchen zu tragen.




Meinung


"These Broken Stars" habe ich mir tatsächlich nur gewünscht, weil es unter Blogger*innen so gefeiert wurde, und nach dem Lesen hat sich meine Befürchtung bestätigt, dass Jugendbücher einfach nichts mehr für mich sind, egal wie gerne ich die Blogger*innen mag, die sie empfehlen.

Das soll nicht heißen, dass das Buch schlecht gewesen wäre!
Ich mochte den kurzweiligen Schreibstil, die zum Teil humorvollen Dialoge und den Aufbau, bei dem die abwechselnd von Lilac und Tarver erzählten Kapitel immer wieder von kleinen Dialogfetzen unterbrochen werden, in denen Tarver offenbar von einem Vorgesetzten zu den Vorfällen befragt wird. Zum Teil ist der Widerspruch zwischen dem, was Tarver erzählt, und dem, was wirklich passiert ist, ganz unterhaltsam, zum Teil machen die Andeutungen des Vorgesetzten auch neugierig auf das, was passieren wird.

Man merkt auch, dass sich die beiden Autorinnen extrem viel Mühe bei der Erschaffung Ihres Science-Fictions-Universums gemacht haben. Seien es die Gesellschaft, die technischen Erfindungen, das politische System - überall sind kleine Details und tolle Ideen versteckt, die neugierig auf das Universum und seine Geheimnisse machen. Wie im Anhang vermerkt ist, haben die Autorinnen für ihre Recherchen auch viele Wissenschaftler*innen zu Rate gezogen und auf Bitte ihres Verlegers, doch ein paar Hintergrundinformationen zu der Welt zusammenzustellen, in der das Buch spielt, beinahe ein neues Buch nur mit Erklärungen geschrieben. Man erkennt durchaus das Herzblut, das in dieser Geschichte steckt.

Positiv überrascht war ich auch von einer Wendung in der Handlung und einer Enthüllung, mit der ich wirklich nicht gerechnet hätte und die ich sehr gelungen und originell fand.

Leider ist aber vieles in "These Broken Stars" auch absolut nicht neu, allen voran die Charaktere und ihre Beziehung zu einander.
Lilac und Tarver sind so bemüht unterschiedlich, wie man es bereits aus diversen Jugendbüchern, vor allem Dystopien, kennt. Zwar repräsentiert hier nicht eine Person das System und die andere die "Rebellen", wie man es zB von "Legend" kennt, (das kommt erst im zweiten Teil), dafür gibt es aber den Kontrast zwischen arm und reich, unerfahren und abgebrüht, verwöhnt und abgehärtet, etc. Leider ist dieses beliebte Element nichts Neues für irgendeine*n Jugendbuchleser*in und für mich stellte es absolut keine Überraschung dar, dass Lilac sich natürlich im Laufe der Zeit als tougher herausstellt, als sie vorher wirkte, dass sie doch nicht so arrogant ist, wie sie erst rüberkam, und dass natürlich auch der tapfere Kriegsheld Tarver einen weichen Kern hat und beide eine ach so dramatische Vergangenheit haben, die sie beide als gebrochene Seelen zusammenfinden lässt. Selbst die Elemente, die den Figuren mehr Tiefe verleihen sollten, haben sie in meinen Augen zu noch größeren Stereotypen gemacht, was dafür sorgte, dass mich nichts an ihrer Geschichte wirklich berühren konnte.
Hinzu kommt, dass sich beide vor allem anfangs nervtötend kindisch verhalten. So gibt sich Lilac beispielsweise absichtlich arrogant, um Tarver auf Abstand zu halten, beschwert sich dann aber, dass er sie nicht leiden kann. Allgemein war sie mit ihrem anfangs ständigen Wechsel zwischen zickig und naiv zu mutig und sorgend extrem widersprüchlich.

Am allermeisten genervt hat mich die zu erwartende, aber enorm erzwungen wirkende Liebesgeschichte, die ebenfalls von Anfang an klar zu erkennen war, aber mit immerwährenden inneren Kämpfen zwischen "Oh, sie lächelt mich an! Ich mag sie" und "Aber ich bin doch eh der letzte, den sie wollen würde." unendlich lange herausgezögert wird, wobei der Selbstbetrug der beiden einfach nur pubertär wirkt.
Ich will damit nicht sagen, dass es unrealistisch wäre, dass man jemandem näherkommt, mit dem man wochenlang auf einem verlassenen Planeten gestrandet ist, aber muss es denn wirklich immer eine Liebesgeschichte sein, in der sich die beiden schon nach zwei Wochen ewige Treue schwören? Kann man nicht auch einfach nur gut befreundet sein? Man muss dazu sagen, dass die Autorinnen sich große Mühe gegeben haben, die Liebesgeschichte nicht zu voreilig zu entwickeln, aber das ändert leider nichts an der Klischeehaftigkeit des Handlungsstrangs, bei dem sich zwei Menschen erst überhaupt nicht leiden können und dann durch dramaaatische Ereignisse plötzlich ein Paar werden.
Ich hätte mit diesem Element an sich wohl leben können, wäre es nicht der Hauptaspekt des ganzen Buches gewesen. Zwischen langatmigen Beschreibungen der endlosen Wanderungen über den Planeten passiert nun mal bis ins letzte Drittel nicht viel, außer dass sich Tarver und Lilac mit einander beschäftigen müssen, und das machte diesen Teil des Buches für mich sehr zäh und unbefriedigend.
Erst am Ende, als die Handlung dann wieder an Tempo aufnimmt und spannendere Dinge passieren, machte mir das Lesen wieder Spaß.



Fazit


"These Broken Stars" spielt in einem durchaus faszinierenden und gut durchdachten Universum, in das die beiden Autorinnen offensichtlich viel an bewundernswerter Arbeit gesteckt haben. Das originelle Ende mit unerwarteter Wendung kann die langatmige erste Hälfte jedoch nur zum Teil wieder ausgleichen und die Figuren enttäuschen leider durch absolut stereotype Charaktere und Biografien. Die Liebesgeschichte zwischen Lilac und Tarver folgt einem sehr ausgelutschten Muster und konnte mich leider nicht berühren.
Ich kann nur 3 Sterne vergeben.

Kommentare:

  1. Die Liebesgeschichte ist ja auch immer das, was mich mittlerweile an Jugendbüchern abeschreckt. Deshalb lese ich sie immer erst etwas später, warte manchmal erst Filme ab, um zu sehen, ob das Buch mir wirklich zusagen könnte. Ich bin da eher Fan von Jugendbüchern wie Harry Potter, wo der Fokus nicht ganz so stark auf der Liebesgeschichte liegt, diese aber dennoch als Nebenhandlung vorhanden ist, aber auch nicht allzu kitschig ist. Auch bei Die Tribute von Panem, fand ich das noch okay. Percy Jackson mag ich deshalb auch richtig gerne. Das wäre so meine Richtung. Finde es auch Schade, dass viele Autoren wohl glauben, man bräuchte in einem Jugendbuch immer diese übergroße Liebeshandlung, die halt auch immer gleich abläuft und aus Klischees besteht. Ich denke, dass das nicht immer sein muss und hätte es hier auch besser gefunden, wenn sich erst einmal eine Freundschaft entwickelt hätte. Es spricht ja nichts dagegen, das ganze in Folgebänden dann auszubauen. Auch stereotypische Figuren nerven mich, aber nicht nur in Jugendbüchern. Im Krimibereich gibt es die ja auch nur zu genügen.

    Die ausgearbeitete Welt klingt zwar auch für mich interessant, aber aufgrund der Liebesgeschichte, werde ich wohl erstmal nicht zu diesem Buch greifen.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Oh ja, ich habe das Gefühl, nach diesem Kinojahr bin ich arm. Selbst wenn ich es nicht ins Kino schaffe, wächst meine Wunschliste an Dvds ernorm.

    Ich wage mal zu behaupten, dass der Soundtrack bestimmt super ist. Ich kenne einfach keinen Disney Film, wo er das nicht ist. Zumal ich hier schon gehört habe, dass John Legend auch mit dabei ist und seine Stimme liebe ich persönlich sehr.

    Bei Silence geht es mir genau wie dir. Andrew Garfield hat sich wirklich sowas von entwickelt. Kann mich noch an seine Anfänge erinnern, jetzt spielt er halt echt ganz andere, anspruchsvolle Rollen.

    Vor allem wurde darüber ja tagelang berichtet. Ich dachte mir dann auch, dass es mittlerweile auch echt mal wieder gut ist. Klar, ist es ärgerlich. Natürlich sollte es nicht passieren. Aber Menschen machen nun mal Fehler und solche Dinge kamen schon öfters vor. Deshalb sollte man nicht alle Momente, die wesentlich wichtiger waren, unter den Tisch fallen lassen. War echt schade.

    Hatte auch gesehen, dass der schon vor einiger Zeit im Kino gelaufen ist. Frage mich dann auch immer, warum manche Filme erst so stark verzörgert bei uns anlaufen. Wobei hier halt auch die Frage ist, ob er dann überhaupt in allen Kinos zu sehen ist.

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    1. Das geht mir genauso. Ein bisschen Liebesgeschichte darf gerne dabei sein, aber es sollte halt nicht der Hauptaspekt des Buches sein. Das mochte ich bei Harry Potter auch, bis auf den 6., wo mich Rons und Hermines pubertäres Verhalten doch etwas genervt hat.
      Bei Panem fand ich es auch gelungen. Die Liebesgeschichte war wichtig, aber nicht zu kitschig und dominant.
      Und Percy Jackson war auch super deswegen.

      Irgendwie suggeriert das auch, eine Liebesbeziehung sei zu jeder Zeit wichtiger als alles andere. In dem Fall geht es zum Teil sogar darum, dass die Liebe als wichtiger dargestellt wird als die eigene Familie und das eigene Überleben und das finde ich übertrieben.


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  2. Ich finde 99% der Jugendbücher mittlerweile auch echt schwierig. Irgendwie wären die Stories oft gut, aber die Charaktere und Beziehungen sind halt so gut wie immer die gleichen... das nervt langsam einfach.

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    1. Ja, das geht mir leider auch so. Es ist schade, wieviele tolle Ideen ich wegen der klischeehaften Figuren und Beziehungen nicht genießen kann. Langfristig werde ich mich von dem Genre wohl eher fernhalten.

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  3. Hallo Charlie :)

    Bei mir steht das Buch bisher leider nur auf der Wunschliste. Ich liebe Weltraumgeschichten, davon gibt es einfach viel zu wenige. Deine Kritikpunkte kann ich aber durchaus nachvollziehen. Schade, dass dich das Buch nicht so berührt hat, wie du es dir gewünscht hättest. Liest du den zweiten Band auch noch?

    Liebe Grüße,
    Lisa von Prettytigers Bücherregal

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    1. Hi Lisa,

      also wenn du auf Weltraum stehst, dann wirst du mit dem Buch deine Freude haben, denke ich :). Trotz der Liebesgeschichte kommt der Weltraumaspekt auch vor und da gab es einen, wie ich fand, ziemlich originellen Plottwist.

      Ich lese wohl eher nicht weiter, weil die Liebesgeschichte mir zu sehr dominiert und nicht gefallen hat, und der zweite Teil klingt so, als würde es dort genauso weitergehen, nur mit anderen Figuren.

      Liebe Grüße :)

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  4. Hmmm, schade, das Originalcover sieht so toll aus! (ist immer mein erster Gedanke bei diesem Buch^^)
    Aber trotz der vielen Rezis habe ich es wegen den gleichen Gründen, die du am Anfang schon nennst, nie wirklich ins Regal holen wollen. Die Beziehung zwischen Charakteren ist mir derzeit beim Lesen das wichtigste und wenn es dann viel zu stereotypisch vor sich geht, dann verdreh ich sehr schnell die Augen.
    Was ich sehr interessant finde, ist die Beschäftigung der Autorinnen mit dem "Worldbuilding" wie das so schön heißt mittlerweile. Denkst du, dass könnte im zweiten Teil mehr integriert sein und wirst du ihn lesen?
    Liebe Grüße,
    Leyla

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    1. Stimmt, das ist irgendwie cool.
      Vor allem gibt es das Kleid auf dem Cover wirklich, das kommt manchmal sogar zu Buchtouren mit, steht hinten im Anhang :D.

      Hm, also von der Inhaltsangabe her fürchte ich, dass der zweite Teil genauso klischeehaft und mit gezwungener Liebesgeschichte sein wird, daher werde ich ihn eher nicht lesen, auch wenn mich die Welt an sich interessieren würde. Aber noch so eine Liebesgeschichte in dem Stil halte ich nicht aus.

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  5. Wir hatten ja parallel angefangen zu lesen, aber ich muss sagen, dass ich es erst mal wieder weggelegt habe. Der Anfang konnte mich einfach nicht genug packen und dann kamen andere Bücher dazwischen...mal schauen, ob es nochmal eine Chance bekommt :)

    LG
    Fina

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    1. Das ging mir leider auch so, dass ich den Anfang sehr zäh fand, und es wird meiner Meinung nach wirklich lange nicht besser. Vielleicht ist dir irgendwann ja mal langweilig und du kannst dir Zeit dafür nehmen :D.

      LG :)

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