[Serien(kurz)rezensionen] "Luther" - Staffel 4 und "Scorpion" - Staffel 1

Charlie | Mittwoch, 8. Februar 2017 |



Originaltitel: Luther
Genre: Drama, Krimi, Thriller
Basiert auf: -
Länge: 2 Folgen à 60min
Altersfreigabe: ab 16
Produktionsland: Großbritannien
Erstausstrahlung: Dezember 2015 (auf BBC One)
Deutssprachige Erstausstrahlung: 1. Juli 2016 (auf ZDF neo)
Darsteller: Idris Elba, Rose Leslie, Laura Haddock, u.a.






Inhalt

Nach den dramatischen Ereignissen von Staffel 3 hat Luther dem Polizeidienst den Rücken gekehrt und lebt zurückgezogen in einem kleinen Haus am Meer.
Dort wird er jedoch eines Tages von zwei Detectives aufgesucht, welche ihm mitteilen, dass Alice gestorben sei. Luther will das nicht glauben und begibt sich zurück nach London, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Gleichzeitig treibt wieder ein Killer sein Unwesen in der Stadt: Jemand spioniert Menschen aus, ermordet sie und isst einzelne Körperteile der Opfer. Seine (ehemaligen) Kolleg*innen sind auf Luthers Hilfe angewiesen. 

Meinung

Ich war immer ein großer Fan von "Luther". Die Serie arbeitet mehr mit psychologischen Elementen als mit roher Gewalt, ist weniger klischeehaft und vorhersehbar als andere Krimiserien und die Figuren sind wirklich interessant.
Doch diese vierte Staffel hätte ich so wirklich nicht gebraucht.

Nicht, dass John Luther nicht weiterhin eine tolle Hauptfigur wäre. Er hat noch immer das Herz am rechten Fleck und sucht Gerechtigkeit, übertritt dabei aber noch immer gewisse rechtliche und moralische Grenzen. Ich finde Luther besonders deshalb spannend, weil er in den vergangenen Staffeln die Menschen, die ihm am wichtigsten waren, (scheinbar) verloren hat und dadurch mittlerweile unberechenbar wirkt. Trotzdem ist er mir immer noch absolut sympathisch.

In dieser Staffel geht es viel um seine schon immer sehr spezielle Beziehung zu Alice, die von der belgischen Polizei für tot erklärt wurde, was Luther jedoch nicht akzeptieren will. Man merkt, wie wichtig sie ihm geworden ist, obwohl sie eine kaltblütige Mörderin ist und unter anderem schon ihn und seine Exfrau gestalkt und bedroht hat.
Alice war für mich schon immer eine der faszinierendsten Figuren der Serie und ich finde es toll, dass ihr ein großer Teil der Handlung gewidmet wird.

Leider scheint dieser Part der Handlung aber auch nicht ganz ausgereift. Es werden neue Figuren und jede Menge Spuren eingeführt, die am Ende jedoch alle offen gelassen werden und zum Teil wirken, als hätte man hier ein betont großes Geheimnis schaffen wollen.
Mir hat sich absolut nicht erschlossen, wieso diese Handlung nicht statt über zwei einfach über vier oder sechs Folgen gezogen und die Staffel dadurch verlängert wurde.
Natürlich könnte dieses offene Ende auch der Auftakt zu dem Film sein, über den seit einer Weile spekuliert wird, aber dann hätte ich eine komplett in einem Film entwickelte und aufgelöste Handlung passender gefunden.
Durch die Kürze der Staffel bleibt auch Luthers neue "Partnerin", die Polizistin Emma Lane, viel zu blass. 

Auch der Killer dieser Staffel konnte mich nicht überzeugen. "Luther" arbeitet sonst immer mit psychologisch interessanten Tätern, deren Psyche zumindest halbwegs analysiert und deren Taten erklärt werden.
In diesen zwei Folgen erschien es mir mehr so, als hätte man hektisch sämtliche Klischees über gruselige Serienmörder in einer Person vereinen wollen. Zwar sollen ein paar von Luthers Gedanken wohl erklären, wie der Täter fühlt, doch wirklich psychologisch fundiert wirkt das nicht und klingt daher eher nach Worthülsen.

Die Kameraführung hat mich hier auch schier wahnsinnig gemacht. Es gibt mittlerweile bestimmte Einstellungen, bei denen man als erfahrene*r Krimiseriengucker*in schon damit rechnet, dass die gezeigte Person gleich ermordet wird. Beispielsweise zeigt der Blick durch einen winzigen Türspalt auf das zukünftige Opfer meistens, dass hinter ebendieser Tür die Person versteckt ist, die gleich die Tat begehen wird.
In dieser Staffel wird die Kamera ständig auf diese Art geführt, selbst wenn der Täter, wie man später herausfindet, überhaupt noch nicht vor Ort war, oder sogar bei Personen, die überhaupt nicht angegriffen werden. Das führte zu einer Art "Überspannung", weil man teilweise fünf Minuten lang damit rechnete, dass gleich etwas passiert, und die Tat selbst dann am Ende nicht einmal als Schockmoment erschien.
Was man "Luther" allerdings lassen muss, ist, dass die Serie nicht so sehr Wert auf "On-Screen-Gewalt" legt, was ich sehr angenehm fand. Wie immer ist es hier der psychologische Aspekt, die Erwartungen, die bei den Zuschauenden geweckt werden, die die Serie spannend machen.

Fazit

Die vierte Staffel "Luther" hat mich leider sehr enttäuscht. Ich mag das Konzept der Serie und die Hauptfigur sehr, doch diese zwei Folgen wirken wie der Anfang einer Geschichte, die man dann aus Zeitmangel nicht zu Ende geführt hat. Der Killer und seine Geschichte sind lieblos und wenig überzeugend gestaltet und für den anderen Teil der Handlung werden viele Geheimnisse eingeführt, von denen aber keines wirklich aufgelöst wird, was äußerst unbefriedigend ist.
Ich kann nur hoffen, dass dies der Auftakt zu einem Film oder einer kommenden Staffel wird. Fürs erste kann ich leider nur 2,5 Punkte geben.






Originaltitel: Scorpion
Genre: Action, Drama, Thriller
Basiert auf: dem Leben von Walter O'Brien
Länge: 22 Folgen à 42min
Altersfreigabe: ab 16
Produktionsland: USA
Erstausstrahlung: September 2014 - April 2015 (auf CBS)
Deutssprachige Erstausstrahlung: Januar 2015 - Oktober 2015 (auf Pro 7 Fun)
Darsteller: Elyes Gabel, Katharine McPhee, Eddie Kaye Thomas, Jadyn Wong, Ari Stidham, Robert Patrick, u.a.




Inhalt

Walter O'Brien, der einen IQ von 197 hat, fiel den Bundesbehörden der USA schon als Kind auf, als er sich in die Datenbanken der NASA hackte. Als Erwachsener hat er nun zusammen mit dem Mathegenie Sylvester, dem Psychiater Toby, der hochbegabten Mechanikerin Happy, dem Homeland-Agenten Cabe Gallo und der ehemaligen Kellnerin Paige, die den Genies menschliches Sozialverhalten erklären soll, ein Team namens Scorpion gegründet, das verschiedene US-Behörden bei heiklen Fällen unterstützt. 

Meinung

"Scorpion" habe ich ohne allzu große Erwartungen angefangen, als ich auf der Suche nach einer Serie war, die man gut nebenbei gucken kann, und genau diese Erwartungen hat sie auch erfüllt.
 Walter und seine Kolleg*innen schließen sich einer Reiher anderer schrullig-genialer Ermittler an, die sozial etwas inkompetent wirken, dafür aber beim Lösen von Kriminalfällen Gold wert sind (als Beispiele seien hier "Sherlock" oder Patrick Jane aus "The Mentalist" genannt). Durch ihre mangelnde Erfahrung mit "normalen" Menschen und ihren Gefühlen, treten die vier des Öfteren ins Fettnäpfchen, was die Serie recht unterhaltsam macht.
Doch trotzdem kommen auch die Gefühle nicht zu kurz, denn Walter und Paige empfinden ganz offensichtlich von der ersten Begegnung an etwas für einander, wobei sein Drang, stets Fakten statt Emotionen den Vorzug zu geben, ihm im Weg steht. Auch zwischen Happy und Toby bahnt sich etwas an, wenn auch auf Ihre ganz eigene Art.
Die Figuren sind, wenn auch nicht allzu aufregend, absolut liebenswert, sodass man ihnen gerne zusieht und mit ihnen mitfühlen kann.
Die Fälle, an denen "Scorpion" arbeitet, reichen von Flugzeugentführungen zu geplanten Anschlägen mit Bomben oder Nervengas bis hin zur Entführung von Politiker-Kindern und folgen meistens einem "Rettung in der letzten Sekunde"-Prinzip. Dabei hat man als Zuschauer*in selten Zweifel, dass das Team den Fall wird lösen können, doch trotzdem kommt eine gewisse Spannung auf und die kreativen Lösungsansätze der Genies sind sehr interessant.
Positiv anzumerken ist außerdem noch der Soundtrack, der einige coole Lieder vorweisen kann.
Ich vergebe für gute, wenn auch nicht unbedingt überdurchschnittliche Unterhaltung 3,5 Sterne.

Kommentare:

  1. "Luther" wurde mir neulich empfohlen. ich hab noch gar nicht rein geschaut. Schade, dass dich die vierte Staffel nicht überzeugen konnte! Aber es gibt eh leider nicht viele Serien, die wirklich ihr Niveau von Staffel zu Staffel halten können!

    Haha! Das gemeine ist, dass wir sogar einen Gärtner beauftragt und gefragt haben, was bei unserem Boden am besten wächst etc.pp. Schon echt traurig, dass der Rhododendron gerade trotzdem sehr kränklich ist...
    (Und besagter Fremde meinte sogar, die würden in unseren sauren Böden gar nicht gut wachsen!)

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    1. Solltes du mal machen, falls du auf düstere Ermittler-Thriller-Serien stehst. Die ersten Staffeln zumindest sind wirklich gut.
      Ja, da hast du leider recht. Viele Serien werden dann eigentlich nur noch fürs Geld weitergeführt.

      Hm, dieser Gärtner war offenbar nicht Rhododendron-Experte im botanischen Garten xD.

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  2. Von Scorpion habe ich bisher nur ein paar Folgen nebenbei geschaut, meist zu späterer Uhrzeit, wenn die Serie wiederholt wurde. So wirklich gepackt hat es mich bisher nicht. Ist mir einfach alles schon aus anderen Serien zu bekannt, sodass mir da etwa die Innovation fehlt. Generell schaue ich ja nur wenige Krimiserien regelmäßig, so wirklich von sich überzeugen konnten mich da nur "Rizzoli & Isles" und "Hawaii Five-O". Beim Rest ist es eher so, dass ich da ab und an mal nebenbei ne Folge schaue und gut ists. Kommt man auch so immer super rein.

    Luther habe ich hingegen noch gar nicht gesehen, aber schon gehört, dass das ziemlich gut sein soll. Schade nur, dass dir diese Staffel nicht so zugesagt hat.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Gern geschehen :).

    Günstig ist das definitiv nicht, aber es macht wirklich viel Spaß und ist halt auch etwas, dass man nicht so schnell vergisst, sodass es dann das Geld wiederum wert ist.

    Das freut mich ja sehr zu hören <3. Ich liebe das ja auch auf anderen Blogs, weil man dadurch einfach viele neue Blogs entdeckt, auf die man sonst nie gestoßen wäre.

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    1. Das geht mir genauso. Ich finde sie unterhaltsam, aber man wird nicht wirklich von irgendwas überrascht. Das ist aber irgendwie bei vielen dieser amerikanischen 24-Folgen-Massenproduktion so. Die meisten sehe ich auch nur zur Unterhaltung, nicht weil sie anspruchsvoll wären.
      Die von dir genannten Krimiserien kenne ich noch nicht, aber ich muss jetzt auch erstmal ein paar Serien zu Ende sehen, bevor ich neue anfange ;).

      Es lohnt sich auf jeden Fall, trotzdem in "Luther" reinzuschauen, denn die ersten Staffeln sind ja echt gut.

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  3. Das neue Layout gefällt mir super. Das passt so richtig zu dir, deinem Blog und den Themen. Richtg toll, auch farbtechnisch. Mal was anderes.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Das war sogar schon länger in Planung, sollte ursprünglich mal ein Film werden, dann würde aber irgendwie nichts draus und nun gibt es halt eine Serie bei Netflix. Bin auf jeden Fall gespannt, aus dem selben Grund wie du. Ich mochte das Buch einfach.

    Ich verstehe auch den Sinn dahinter nicht und ärgere mich darüber echt immer etwas. Da wünschte ich mir echt, dass die Seitenbetreiber Bewertungen erst dann freigeben, wenn Film, Serie oder Buch ausgestrahlt bzw. veröffentlicht wurde. Aber gut, wsl gibt es selbst dann welche, die nur eine Rezension anhand des Trailers tippen und die Sachen nicht gesehen oder gelesen haben.
    Ich habe halt gerade bei deutschen Produktionen immer das Gefühl, dass man die vorverurteilt. Klar auf der einen Seite wurde hier schon vieles produziert das echt schlecht war, aber wenn man Produktionen dann gar keine Chance mehr gibt und sich nicht mal ein Bild macht, dann wird sich auch nichts ändern. Vor allem wenn sich dann mal an ein etwas anderes Genre rangetraut wird als Sitcom, Krimi- oder Historienserie.

    Taboo wurde auch bisher ziemlich gut bewertet und der Trailer ist schon so richtig schön düster. Das ist auch eine Serie, die ich mir kommenden Monat definitiv anschauen werde. Schon alleine wegen Tom Hardy.

    Also beim zweiten Teil hast du auch echt nichts verpasst. Der war nicht wirklich gut und teilweise hatte der auch Szenen, die einfach nur lächerlich waren. Ich hoffe halt nun einfach, dass man wenigstens jetzt noch einen guten Abschluss hinbekommen hat. Ansonsten war halt auch der Plot von Teil zwei ziemlich dürftig und das Ende vorhersehbar. Aber ich habe auch die Bücher nicht gelesen, weiß also jetzt auch nicht, ob das im zweiten Band auch in der Vorlage so war.

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    1. Danke, das freut mich sehr! Ich bin auch sehr begeistert, was Ines da für mich gezaubert hat :).

      Ja, das hast du recht. Es gibt auch wirklich gute deutsche Produktionen und klar, weniger Zuschauer aufgrund solcher Vorurteile bedeutet weniger Geld und wie soll da dann auch etwas so qualitativ hochwertiges rauskommen wie bei vielen US-Serien?

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Charlie