[Filmrezension] "La La Land"

Charlie | Donnerstag, 2. Februar 2017 |


Melancholisch, verträumt, bittersüß, romantisch - "La La Land" verzaubert


 



Originaltitel: La La Land
Genre: Liebesfilm, Musicalfilm, Musikfilm
Basiert auf: -
Länge: 128 Min
Altersfreigabe: ab6
Deutscher Kinostart: 12.01.2017
Produktionsland: USA
Darsteller: Emma Stone, Ryan Gosling, John Legend, J. K. Simmons, ...
Regie: Damien Chazelle
Drehbuch: Damien Chazelle
Trailer



Inhalt 

Der Jazzpianist Sebastian und die Schauspielerin Mia - beide äußerst talentiert aber ebenso erfolglos - begegnen sich durch Zufall in Los Angeles, der Stadt, in der ihre Träume wahr werden sollten. Zwischen ihnen stimmt die Chemie und gegenseitig unterstützen sie sich bei der Erfüllung ihrer Träume, doch in L.A. ist nicht immer Platz für beides: Beziehung und Karriere; Liebe und Träume.


Meinung 

"Ein Musicalfilm? Mit Musik im Stil der alten Klassiker? Mit Emma Stone und Ryan Gosling? - Nichts wie rein!"
So etwa könnte mein Gedankengang gelautet haben, als ich das erste mal von "La La Land" hörte. Der Kinobesuch stellte mich dann aber vor eine interessante Herausforderung, denn teilweise haben meine emotionale Reaktion und mein Versuch einer objektiven Bewertung miteinander zu kämpfen gehabt.
Auf den Vorschlag der lieben Katha hin habe ich mich deshalb entschieden, meine Rezension in eine "Kopf-" und eine "Herzrezension" zu teilen. Die eine, um euch ein paar halbwegs neutralere Kriterien zu vermitteln und die andere, um euch an meinen Emotionen teilhaben zu lassen.



Kopf-Rezension 

Die Geschichte, die "La La Land" erzählt, ist grundsätzlich weder neu noch besonders aufregend. Zwei Menschen, die sich unter ungünstigen Umständen begegnen, sich anfangs nicht leiden können und zwischen denen es dann doch funkt. Die Schwierigkeit, die eigenen Träume im realen Leben umzusetzen und sich nicht einfach mit einer Notlösung zufriedenzugeben. Das Hin und Her zwischen Karriere und Beziehung. All diese Motive hat man schon einmal irgendwo gesehen und tatsächlich sind große Teile der Handlung von "La La Land" extrem vorhersehbar.
Daher ist der Film auch der beste Beweis dafür, was das Gesamtpaket alles noch rausreißen kann.

Der Film ist ein Kunstwerk und eine Hommage an andere Filmkunstwerke, an Träume und an die Stadt Los Angeles und das merkt man.
Sowohl Regisseur als auch die Hauptdarsteller/in verarbeiten hier eigene Erfahrungen vom Scheitern und davon, wie sie trotzdem weitergekämpft haben, was viele der Szenen äußerst realistisch wirken lässt.
Und einiges am Film, von den Credits, den Schnitten, der Musik und den Kostümen bis hin zu spontanen Stepptanz-Nummern und anderen künstlerischen Aspekten holt einen zurück in die 50er; entführt einen in eine andere Welt, die man im Kino der 21. Jahrhunderts selten zu sehen bekommt und verführt zum Träumen.
"La La Land" hat etwas Verträumtes, Künstlerisches, Surreales, das einen trotz der Mängel in der Handlung abholt und die 128min wie im Flug vergehen lässt.

Der romantische, wehmütige Soundtrack mit Fokus auf Klavier, aber auch Streichern und natürlich der Jazzmusik, unterstützt diesen Eindruck wunderbar und trägt die Stimmung des Films. Wie für Filmmusik und Musicals typisch tragen vor allem ein paar wenige, immer wiederkehrende Motive den Film und vermitteln die melancholische Atmosphäre einzigartig.
Den Film als Musical zu bezeichnen halte ich als erklärter Musicalfan trotzdem für übertrieben, denn gesungen wird hier nicht besonders viel. Im Grunde gibt es zwei Ensemblenummern, zwei Soli, eine Bandnummer und zwei Duette, der Rest ist instrumentale Musik. Das ist auch kein Problem, denn "La La Land" ist zwar ein Film über Musik aber keiner über Gesang. Doch ich wurde zwischendurch das Gefühl nicht los, dass dem Komponisten nicht genug Musical-Nummern eingefallen sind, sodass er dann auf Instrumentale zurückgreifen musste, was einen unvollständigen Eindruck hinterlässt. Es gibt zu wenig Gesang für ein Musical und zu viel für einen Film, dessen Thema nicht der Gesang ist. Insbesondere die Ensemble-Nummern am Anfang irritierten mich, da später keine Lieder mehr von vielen Menschen gesungen werden, doch vermutlich sollten sie einen Eindruck des Lebensgefühls in L.A. vermitteln, um dann mit Mias und Sebastians Zweisamkeit kontrastiert zu werden. Im Gedächtnis geblieben sind sie mir im Gegensatz zu den anderen Liedern aber nicht.

Emma Stone hat mich mit diesem Film wieder - anders kann ich es gar nicht ausdrücken - umgehauen. Je mehr ich von dieser Frau sehe, desto beeindruckter bin ich von ihr. Allein eine der ersten Szenen, in denen sie ein Vorsprechen spielt, war schon so emotional, dass man mit ihr mitfühlt, obwohl man weiß, dass selbst ihre Figur das gerade nur spielt. Ihre Mimik in emotionalen Momenten, aber auch das befreite Lachen, das verliebte Lächeln, das Ausgeflippte, das man von ihr kennt: Emma Stone bezaubert und überzeugt mich immer wieder.
Leider muss ich deshalb auch sagen, dass sie ihren Kollegen Ryan Gosling hier locker gegen die Wand spielt. Ich mag Gosling, halte ihn für einen sehr guten Schauspieler und sehe ihn wirklich gerne, auch in diesem Film, aber im Vergleich zu Stone kann er nicht mithalten. Seine Mimik und Gestik sind meistens eher reserviert, was sicherlich auch zu seinem eher ruhigen Charakter passt, doch so wirklich mitfühlen konnte ich mit ihm erst, wenn er seine Musik spielte. Denn die ist, wie bereits erwähnt, Träger großer Emotionen und man nimmt Ryan Gosling in diesen Momenten ohne Zweifel ab, dass er davon genauso begeistert und mitgerissen ist wie seine Figur Sebastian. Die Oscar-Nominierung halte ich, gerade im Vergleich zu anderen ehemaligen Nominierten und Preisträgern, jedoch für übertrieben, während ich sie Emma Stone absolut gönne.

Obwohl ich Mia und Sebastian ihre Beziehung und Harmonie mehr als gegönnt habe, hätte ich mir übrigens am Anfang des Films mehr der witzigen Dialoge mit dem trockenen Humor gewünscht, die so gut zu den beiden gepasst haben. Später geht es dann mehr in Richtung Kitsch und noch später Drama und ich hätte gerne ein wenig mehr der anfänglichen Lockerheit gehabt.

Das Ende ist, ohne an dieser Stelle zu viel verraten zu wollen, wie der ganze Film: Wunderschön und melancholisch, verträumt und doch realistisch und auf angenehme Art herzzerreißend. Vor allem der interessant gemachte Epilog, der dem Ende die richtige Würze gibt, hat es mir angetan und regt, was ich zunächst nicht erwartet hätte, zum Nachdenken an.


Herz-Rezension 

Als ich aus dem Kino kam und mir fleißig Notizen zu verschiedenen Aspekten machte, die ich in meine Bewertung mit einfließen lassen wollte, glaubte ich noch an die Möglichkeit einer halbwegs objektiven Rezension. Doch dann hörte ich mir zuhause den Soundtrack an und wie so oft bei emotionalen Filmen ließ mich dieser gleich meine Gefühle während des Kinobesuchs wieder durchleben. Und ich musste mir eingestehen: Selbst wenn der Film objektiv gesehen nicht perfekt ist, hat er etwas mir mir gemacht, hat mich berührt und mich abgeholt. Da komme ich auch mit Argumenten nicht gegen an.

Die Handlung ist altbekannt und vorhersehbar, ja. Aber trotzdem nimmt sie einen irgendwie mit, weil es doch das ist, was man als Zuschauer*in sehen und hören will: Dass man für seine Träume kämpfen soll. Dass man jemanden finden wird, der an einen glaubt und einen unterstützt. Dass, egal, wie oft man scheitert, man irgendwann vielleicht einen Weg finden wird.
Und egal wie klischeehaft die Liebesgeschichte sein mag: Die Figuren sind liebenswert und ihre zarte, romantische Beziehung das, was man sich im Grunde des Herzens selbst wünscht (wenn man es nicht schon hat) und es macht einfach glücklich, den beiden zuzusehen, wie sie sich verlieben, und zerreißt einem das Herz zu sehen, welchen Schwierigkeiten sie begegnen. Und das, obwohl sie doch nur Filmfiguren sind und nicht mal sonderlich originelle.

Und auch wenn ich jetzt, Tage später, den Soundtrack anhöre, bin ich wieder zurück im Kinosaal und verfolge diese bittersüß-realistische Geschichte über Liebe und Träume, Risiken, die man wagen und Opfer die man bringen muss.
Und ein Soundtrack, der mich den Film immer wieder durchleben, mich melancholisch vor mich hin träumen lässt und mich fast zum Weinen bringt, spricht nicht nur für seine eigene sondern auch für die Qualität des Films.


Fazit 
 
Von der Handlung und den Figuren her kann "La La Land" nicht wirklich überraschen. Stones und Goslings Schauspiel wirkt sehr ungleich und der Soundtrack teilweise so, als habe der Komponist selbst nicht gewusst, ob er nun ein Musical schreiben wollte oder icht.
Trotzdem holt einen die Geschichte über zwei passionierte Träumer, die in einer erbarmungslos karrieregeilen Stadt zueinander finden, ab und das nicht zuletzt wegen der künstlerisch-melancholischen Machart, dem träumerisch-wehmütigen Soundtrack, der einen immer wieder zurück nach L.A. entführt und des grandiosen Schauspiels, insbesondere von Emma Stone.
Objektiv würde ich recht knappe vier Sterne vergeben. Vom Gefühl her werden es 4,5 und eine absolute Empfehlung an alle Träumer*innen.


In den Soundtrack reinhören:

Kommentare:

  1. Aloha, Charlie.
    Um den guten Woody Allen aus einem seiner Filme zu zitieren: "Objektivität ist subjektiv!"...
    Gut, der einschlägige Kritiker wird sein Mantra der objektiven Betrachtung eines Werkes stets hochhalten; aber mir gefielen bereits in frühen Jahren Rezensionen, die sich wie eine gemachte Erfahrung lesen konnten. Die Subjektivität des Herzens, wenn dies vor erfahrenen Gefühlen überfließt - das sind Besprechungen, die ich gernst lese.
    Selbst wenn ich den Film selbst jetzt lediglich aus der Ferne beobachte. ;-)

    Ideal ist ein Soundtrack stets dann, wenn sein Abspielen den Film wie seine transportierten Gefühle wieder zu erwecken versteht. Geht einem durch Mark wie Bein, wirkt wie ein Jungbrunnen der Gefühle.

    Zwischen den Zeilen Deiner Besprechung lese ich ein wenig, daß Dich 'La La Land' um knappe zehn Jahre verjüngt hat.

    Abschließend!?
    Für solche Filme gehen wir ins Kino!

    bonté

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    1. Hallo RoM,

      das ist wohl wahr. Wer kann schon wirklich objektiv sein? In einer Rezension ist das Wort vielleicht auch fehl am Platz. Ich wollte damit auch eher ausdrücken, dass ich meist versuche, einen Film nach bestimmten Kriterien zu bewerten (sozusagen objektiv), manchmal aber auch außerhalb dieser Kriterien einfach irgendwie ein Gefühl zu dem Film habe, das Subjektive.

      Nun ja, eine solche Verjüngung würde mich wieder 9 Jahre alt machen, damals hätte ich den Film vielleicht nicht ganz so toll gefunden :D.

      So ist es!

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  2. Ich mag mittlerweile die Eröffnungsnummer am liebsten. Die hat mir im Kino Freudentränen beschert. Kommt gut morgens zum ersten Kaffee^^
    https://www.youtube.com/watch?v=CWnYIb2lqpo

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    1. Mittlerweile hat sie es mir auch angetan :D. Ich höre den Soundtrack rauf und runter und da das Lies immer als erstes kommt, habe ich es dann noch öfter gehört und liebgewonnen ^^.

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  3. Also ich finde, dass Filme nicht unbedingt immer irgendwas komplettes Neues aufgreifen müssen, sondern auch altbekanntes kann überzeugen, wenn es toll umgesetzt ist und das scheint hier ja der Fall zu sein. Habe nun schon mehrere Rezensionen gelesen, wo die Rezensenten genau die gleiche Ansicht wie du haben , sodass ich nun wirklich sehr neugierig auf den Film bin. Vielleicht schaffe ich es ja im Februar noch ins Kino, wenn er da bei uns noch läuft. Die Botschaft finde ich nämlich auch eine wichtige und schöne und am Ende ist es doch auch einfach nur wichtig, dass ein Film einen berührt hat und mitgerissen und da ist es doch ganz egal, ob er nun einer bekannten Storyline folgt. Bei der Masse von Filmen, ist es glaube ich mittlerweile sowieso schwer da was komplett Neues abzuliefern. Bin schon sehr gespannt auf die Oscars, da wird die Produktion bestimmt ganz schön absahnen.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Das freut mich zu hören, dass dir beides so gut gefallen hat. Jap das stimmt, es war definitiv nicht die klassische Kitsch-Beziehung. Wundert mich aber auch, dass man das zweite Buch nicht verfilmt hat, denn der Film kam ja im Kino nicht schlecht an und war jetzt kein Flopp.

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    1. Ja, dafür ist dieser Film wirklich der beste Beweis :). Und du hast recht: Ähnlich wie auch bei Büchern ist es manchmal vermutlich auch schwer, etwas vollkommen Neues zu erzähken.
      Der Film scheint aktuell grad wirklich richtig gut anzukommen, was mich freut :). Bin auch sehr gespannt darauf, wie er bei den Oscars abschneidet.

      Vielleicht wird ja der zweite Teil noch verfilmt. Ich würde es hoffen, glaube aber nicht daran, da die Story dort nicht ganz so dramatisch und filmreif ist wie im ersten.

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  4. Finde ich auch, dass sich The Blacklist ernorm gesteigert hat. Am Anfang wurden mir die Dinge zu sehr in die Länge gezogen und manchmal hat man dann auch den roten Faden aus den Augen verloren, aber als man sich dann wirklich auf Liz und Reddingtons Beziehung konzentriert hat, wurde die Serie auch immer spannender. Bin nun richtig gespannt auf die vierte Staffel.

    Genau das stelle ich mir unter dem Film aber auch vor und kann verstehen, dass er somit auch die Meinungen spaltet. Bei Türkisch für Anfänger wünsche ich dir ganz viel Spaß.

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    1. Ich bin auch extrem gespannt, zumal das Ende ja fies war. Aber ich bin auch gespannt, was sie sich für die Verbindung zwischen den beiden ausdenken, die ja immer noch nicht wirklich erklärt ist. Das muss etwas wirklich Gutes sein.

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  5. Letztes Jahr konnte ich sie auch nicht Live anschauen, weil ich da glaube ich irgendeinen Termin am Tag darauf hatte, wo ich fit sein musste. Freue mich aber sehr, dass es in diesem Jahr bei mir auch mal wieder klappt. Wird aber nur ziemlich hart wach zu bleiben, weil die Oscars ja jetzt nicht soo lustig sind, sondern es ja auch einige Längen gibt und zu viel Werbung. Wünsche dir aber auch viel Spaß beim Live anschauen.

    Starke Frauenfiguren mag ich auch am liebsten. Finde es auch immer toll, wenn es solche Filme gibt bzw. auch Figuren in Serien die richtig tough sind. Es freut mich auch total, dass auch eine Darstellerin aus Hidden Figures für den Oscar Nominiert wurde. Habe den Film jetzt zwar noch nicht gesehen, aber die ist sicherlich auch verdient.

    Ich bin ja wie gesagt sehr gespannt, wie viele Trophäen La La Land dann am Ende auch wirkliich gewinnt. Wird spannend.

    Wie gesagt solche Verfilmungen sind Geschmackssache. Ich denke halt, dass sie für viele auch ein Weg der Aufarbeitung sind. Bzw. das alles auch für spätere Generationen festhalten und wiedergeben.

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    1. Oh je, auf die Werbung und andere Längen freue ich mich auch ganz und gar nicht. Und eigentlich gewöhne ich mir das zu lange wachbleiben ja gerade ab (Ich weiß, es ist 2, wenn ich das hier schreibe, aber ich fange mit kleinen Schritten an und versuche, vor 3 ins Bett zu gehen ^^). Aber für einen Abend wird's wohl gehen, eventuell sehe ich sie auch nicht alleune.
      Danke, ich dir auch :).

      Ich hoffe sehr, dass ich ihn mir noch vor den Oscars ansehen kann. Hab auch neulich das Buch gewonnen, auf dem der Film basiert, und hoffe, das auch bald lesen zu können.

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Charlie