[Buchrezension] "Der Feuerstein" von Rae Carson

Charlie | Dienstag, 30. April 2013 |

Warum ist dieses Buch so unbekannt? - Lesen, lesen, lesen!




© Heyne



Originaltitel: The Girl of Fire and Thorns
Autorin: Rae Carson
Verlag: Heyne fliegt
Genre: Fantasy, Jugendbuch
Reihe: Teil 1 einer Trilogie
Erscheinungsdatum: August 2012
Seitenzahl: 528
Verlagsseite









Inhalt

An ihrem sechzehnten Geburtstag soll ausgerechnet die übergewichtige und unsichere Prinzessin Elisa mit Alejandro, dem gut aussehenden und mächtigen König von Joya d'Arena, verheiratet werden.
Schon bald stellt sich heraus, dass hinter der Hochzeit mehr als nur ein Bündnis zwischen Alejandro und ihrem Vater steckt: Elisa ist als Trägerin des legendären Feuersteins Teil einer alten Prophezeiung und droht, zum Spielball der einzelnen Parteien zu werden. Jede Seite meint zu wissen, wie die Prophezeiungen zu erfüllen sind und Elisa weiß: Nur mit genügend Mut und Selbstvertrauen wird es ihr gelingen, im nahenden Krieg die richtigen Entscheidungen zu treffen.


Meinung

Ich war noch nie ein Fan von High Fantasy, doch in letzter Zeit kann ich mich mit diesem Genre überraschenderweise immer besser anfreunden.
Auf "Der Feuerstein" bin ich vor allem dadurch aufmerksam geworden, dass die Protagonistin bereits im Klappentext recht ungewöhnlich beschrieben wird. Eine übergewichtige Prinzessin erschien mir jedenfalls ziemlich originell und ich bin nunmal ein Fan von originellen Charakteren und allgemein erklärter Feind von Klischees.
Und genau in diesem Punkt konnte mich "Der Feuerstein" auf ganzer Linie überzeugen.

Elisa ist wirklich eine der interessantesten und sympathischsten Protagonistinnen überhaupt. Ihr Leben lang stand sie im Schatten ihrer älteren Schwester Alodia, denn sie ist nicht halb so elegant und selbstbewusst wie diese. Im Gegenteil: Zu Beginn des Buches ist Elisa ziemlich unsicher, doch auf den knapp 500 Seiten macht sie langsam aber sicher eine beeindruckende Wandlung durch, beweist Mut Stärke und gibt nicht so schnell auf.
Sehr authentisch beschrieben ist außerdem, wie die eher weltfremde und in Luxus aufgewachsene Prinzessin nach und nach das Leben in armen Gegenden kennenlernt und in ihr der Wunsch wächst zu helfen. Elisa ist nämlich trotz ihres guten Willens nicht perfekt, muss bald lernen, dass auch gute Entscheidungen negative Folgen haben können, und macht durchaus auch Fehler, die sie sehr menschlich erscheinen lassen.
Ich konnte mich mit ihr gut identifizieren und sie war mir immer sehr sympathisch.

Auch in einem anderen Punkt konnten mich die Charaktere positiv überraschen. Der Verlags-Klappentext, der ausdrücklich betont, wie gutaussehend Alejandro ist, und die ersten Kapitel, in denen Elisa ihren Mann anhimmelt, lassen vermuten, dass sie sich in ihn verlieben wird und er der Traumtyp schlechthin ist, doch auch was das betrifft, ist "Der Feuerstein" für eine Überraschung gut.
Allgemein fällt positiv auf, dass die Liebesgeschichte eher subtil ist und sich authentisch entwickelt. Damit kann man mich immer begeistern.

Die Nebencharaktere sind zwar nicht ganz so überzeugend wie Elisa, jedoch trotzdem nicht langweilig. Da wäre beispielsweise Ximena, Elisas Kinderfrau, die sich als erstaunlich gute Kämpferin entpuppt, der verwöhnte kleine Prinz Rosario, der sympathische Lord Hector (der Leibwächter des Königs, der hoffentlich im nächsten Teil auch noch eine große Rolle spielen wird) und die verschlossene und kämpferische Cosmé, über die man erst nach und nach genug erfährt, um sie ansatzweise sympathisch zu finden.
Einzig und allein etwas enttäuschen sind die Inviernos, die Feinde Joya d'Arenas, die einfach nur böse zu sein scheinen, ohne dass man je einen Grund dafür erfährt.

Neben den tollen Figuren kann der Roman jedoch auch durch eine spannende Handlung und einen interessanten Schauplatz überzeugen.
"Der Feuerstein" spielt in einer gut durchdachten Fantasywelt, die - würde man sie mit unserer vergleichen - vermutlich im nahen Osten bzw. Nordafrika anzusiedeln wäre. Rae Carson hat sich dabei nicht nur über die Geografie Gedanken gemacht und viele interessante Namen (deren Verwandtschaft zu den romanischen Sprachen unverkennbar ist) ausgedacht, sondern auch an einer Religion und der Jahrtausende alten Geschichte gearbeitet.
Gerade die vielen Bezüge zu Gott und dem Glauben verleihen dem Roman meiner Meinung nach eine tiefgründige Note, da man einige der Probleme, beispielsweise die verschiedenen Arten, heilige Schriften auszulegen und den unbedingten, teilweise fanatischen Wunsch, Gottes Wille zu erfüllen, durchaus auch mit unserer Welt in Verbindung bringen kann.

Dabei ist die Grundidee der Geschichte (Es gibt einen Krieg und eine Auserwählte hilft, ihn zu beenden) nicht unbedingt die neuste, doch Rae Carson gelingt es, immer wieder, neue Verwicklungen, interessante Gedanken und tolle Charaktere einzubauen, sodass die Lektüre nie langweilig wird. Die Handlung ist ziemlich gut ausgeklügelt, weshalb es mich umso mehr enttäuscht hat, dass am Ende alles etwas zu schnell und einfach ging.
Letztendlich konnte mich die Geschichte dennoch sehr beeindrucken und besonders das Ende gefällt mir sehr gut. "Der Feuerstein" ist in sich abgeschlossen und trotzdem kann ich es kaum erwarten, den zweiten Teil zu lesen.



Fazit  

"Der Feuerstein" ist der im wahrsten Sinne des Wortes fantastische Auftakt zu einer Jugend-Fantasy-Reihe, der mich durch Spannung, Originalität und authentische, interessante Charaktere beinahe vollkommen begeistern konnte. Wegen kleiner Schwächen vergebe ich nur 4,5 Sterne, doch ich kann dieses Buch nur jedem ans Herz legen: Auch wenn man glaubt zu wissen, was passiert - der Roman kann einen immer wieder überraschen, mitreißen und berühren.



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Challenges:


  • Verlags SuB Abbau April: Nr. 5/2
  • ABC der Protagonisten: Nr. 5/52 (Zusatzaufgabe)
  • "Auf den SuB mit Gebrüll" - Challenge: Nr. 10/25
    31. Lest ein Buch, das in einer Fantasie Welt spielt.
  • "Find The Cover 2013": Nr. 9/19
    N wie Nachthimmel
  • "Chaos Challenge again": Nr. 5/20
    33. ...lies ein Buch, dass 2012 erschienen ist.



Kommentare:

  1. Ich lese High Fantasy eigentlich immer sehr gerne, vor allem solche wie "Herr der Ringe" und Eragon.
    Auf "Der Feuerstein habe ich auch schon länger ein Auge geworfen, allerdings habe ich es nie wirklich als potenziellen Kauf betrachtet. Aber für originelle und nicht klischeehafte Charaktere heiße ich immer gerne in meinem Bücherregal willkommen :) Nach der Rezension werde ich es nun sicher lesen!

    Liebe Grüße,
    Maggi :D

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    1. Ich eigentlich nicht :D. "Eragon" habe ich abgebrochen und HdR will ich gar nicht erst lesen, weil es mich überhaupt nicht interessiert...
      Der Feuerstein dagegen ist wirklich klasse! Und Elisa gehört sicher auch zu den unvollkommenen Charaktere, wie du sie magst ;).
      Hoffentlich wird Teil 2 übersetzt!!

      LG =)
      Charlie

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  2. Wow, ich hab über dieses Buch schon mal kurz bei Amazon gelesen, hab dann aber wieder weitergeklickt weil es keine weiteren Angaben dazu gab. Aber nach deiner Rezension will ich es unbedingt haben! :D
    Hab dich gleich mal verfolgt! :)

    LG
    Boncuk

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    1. Ja, das Buch ist in der Tat eher unauffällig, aber es ist wirklich empfehlenswert! Du solltest es unbedingt lesen :).
      Ui, danke, das freut mich ♥. Hab auch schon bei dir vorbeigeschaut!

      LG =)
      Charlie

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  3. Das Buch steht auch schon länger auf meiner Wunschliste und ich möchte es mir unbedingt noch kaufen. Es hört sich sehr gut an, gerade weil die Charaktere nicht ganz so perfekt sind wie in manch anderen Büchern. Wenn ich es irgendwann lesen sollte, werde ich auf jeden Fall auch eine Rezi dazu machen.

    LG Mona

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    1. Genau wegen der Charaktere habe ich mir das Buch auch ertauscht ;). Ich fand, dass sich das originell anhörte und kann es auch nur empfehlen!
      Ich bin gespannt auf deine Meinung =).

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  4. Hi, Charlie.
    Geschichten, die sich mit Glauben beschäftigen und wie sich Menschen - zu ihrem und anderer Nachteil - darin verrennen können, sind stets wichtig zu nennen. Ultimate Wahrheiten zu verkünden war in der menschlichen Historie eher selten ein Akt der Toleranz. Das Hinterfragen bleibt ein Selbstschutz.

    Neben Nahost und Nordafrika würde auch das alte El Andalus als Vergleichsort passen - zumal wegen der romanischen Namen.

    Freut mich - Du hattest Lesespaß!

    bonté

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    1. Das hast du toll gesagt! Viele Menschen verstehen leider den Unterschied zwischen Glauben und "Meinen zu wissen und dieses vermeindliche Wissen allen Mitmenschen aufzwingen wollen" nicht. Toll ist es auch, wenn Autoren solche Aussagen in einer unterhaltsamen Geschichte verarbeiten.

      Mich freut es auhc, mal wieder ein so gutes Buch gelesen zu haben :).
      Liebe Grüße!

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